Ohrstöpsel die ganze Schicht tragen: Was Sie über Druck, Tragepausen und Tragedauer wissen sollten

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Das Wichtigste in Kürze

Im Lärmbereich ja, solange die Stöpsel passen und sauber sind. Die DGUV Regel 112-194 verlangt, dass Gehörschutz bei gehörgefährdendem Lärm während der gesamten Aufenthaltsdauer getragen wird. Pausen machen Sie in ruhigen Bereichen, nicht mitten im Lärm.
Weil der Lärm in dieser Zeit ungedämpft ankommt. Beispiel der DGUV: Bei 105 dB(A) und einem Gehörschützer mit 30 dB Dämmung bleiben bei acht Stunden Tragen 75 dB(A) am Ohr, bei 30 Minuten ohne Gehörschutz sind es 93 dB(A).
Nachsetzen, eine andere Größe oder Bauart probieren. Bei Druck, Jucken oder Schmerz nehmen Sie die Stöpsel heraus und sprechen mit Ihrer HNO-Ärztin, Ihrem HNO-Arzt oder dem Betriebsarzt.
In einem ruhigen Bereich, etwa im Pausenraum, ist das üblich. Wo noch Lärm herrscht, bleiben sie drin. Wie das mit Warnsignalen zusammenhängt, steht im Ratgeber „Warnsignale mit Gehörschutz“.
Reinigen Sie wiederverwendbare Stöpsel regelmäßig. Wie das geht, erklärt der Ratgeber „Gehörschutz reinigen“.

Wer am Arbeitsplatz in einer Schicht von acht oder zwölf Stunden Ohrstöpsel trägt, tut das meist, weil der Lärm über 80 dB(A) liegt. Im Lärmbereich gilt: durchgehend tragen, damit die Dämmung wirkt. Wenn etwas drückt, juckt oder schmerzt, nehmen Sie die Stöpsel heraus und klären es ärztlich ab. Pausen gehören in ruhige Bereiche.

Dieser Ratgeber gehört zum Themenbereich Ohrstöpsel für die Arbeit. Er beantwortet die Fragen, die sich nach den ersten Stunden in der Schicht stellen: Wie lange geht das, was hilft gegen Druck im Gehörgang und warum zählt jede Minute ohne Schutz? Welcher Schutz im Einzelfall nötig ist, klärt „wie viel Gehörschutz brauche ich“. Hier geht es nur um das Tragen selbst.

Ohrstöpsel ganze Schicht tragen: Ist das unbedenklich?

Eine feste Obergrenze in Stunden nennt die DGUV Regel 112-194 (Abschnitt 7.6) nicht. Sie sagt etwas anderes: Gehörschützer müssen bei gehörgefährdenden Lärmpegeln während der gesamten Aufenthaltsdauer getragen werden, damit die Schutzwirkung erreicht wird. Auch kurzes Nichttragen verringert sie drastisch.

Rechtlich gilt in Deutschland: Ab einem Tages-Lärmexpositionspegel von 80 dB(A) (Spitzenpegel 135 dB(C)) muss Ihr Arbeitgeber Gehörschutz zur Verfügung stellen. Ab 85 dB(A) (137 dB(C)) muss er dafür sorgen, dass Sie ihn tragen, und der Bereich ist als Lärmbereich zu kennzeichnen. Unter dem Gehörschutz dürfen am Ohr höchstens 85 dB(A) beziehungsweise 137 dB(C) ankommen. Zudem muss er den Zustand des Gehörschutzes regelmäßig überprüfen (§ 8 LärmVibrationsArbSchV). Das ist eine Orientierung und keine Rechtsberatung. Gehörschutz ist außerdem immer die letzte Stufe: Zuerst kommen Lärmminderung und organisatorische Maßnahmen.

Warum senkt kurzes Abnehmen im Lärm den Schutz so stark?

Die DGUV rechnet das an einem Beispiel vor. Es liegt ein gleichbleibender Lärm von 105 dB(A) über acht Stunden vor, der Gehörschützer dämmt 30 dB. Wird er die ganze Schicht getragen, kommen 75 dB(A) am Ohr an. Wird er an einem 8-Stunden-Tag nur 30 Minuten lang nicht benutzt, sind es 93 dB(A). Die DGUV schreibt dazu, dass trotz Gehörschützer das Risiko eines lärmbedingten Hörverlustes besteht. Wer nur vier Stunden von acht trägt, erreicht höchstens 3 dB effektive Schutzwirkung.

Die folgende Tabelle zeigt die Größenordnung für einen Gehörschützer mit 30 dB Dämmung. Die Werte haben wir aus der Rechenlogik der DGUV (Abbildung 12 der Regel) selbst berechnet und gerundet. Sie ersetzen keine Berechnung nach wie viel Gehörschutz brauche ich.

Anteil der Lärmzeit mit getragenem GehörschutzEffektive Dämmung (Gehörschützer mit 30 dB)
100 %30 dB
99 %20 dB
90 %10 dB
75 %6 dB
50 %3 dB

Wann und wo sind Tragepausen sinnvoll?

Pausen bedeuten: raus aus dem Lärm, dann erst heraus mit den Stöpseln. Im ruhigen Pausenraum, im Büro oder draußen abseits der Maschinen brauchen Sie in der Regel keinen Gehörschutz, weil dort keine gehörgefährdenden Pegel herrschen. Mitten im Lärmbereich nehmen Sie die Stöpsel nicht „kurz“ heraus, auch nicht für ein Gespräch. Die Tabelle zeigt, warum.

Auch das Gegenteil spielt eine Rolle: Die DGUV warnt vor Überprotektion, also vor zu viel Dämmung. Liegt der Pegel am Ohr unter 70 dB(A), kann das dazu führen, dass Warnsignale und Gespräche untergehen. Wie das bei der Arbeit aussieht, erklärt der Ratgeber „Warnsignale mit Gehörschutz“. Ein Stöpsel dämmt passiv: Alles wird leiser, und ein lautes Warnsignal bleibt hörbar, weil es laut ist, nicht weil etwas es durchlässt. Prüfen Sie das vor dem ersten Einsatz mit einer Hörprobe unter Betriebsbedingungen, wie es die DGUV für Signale und Sprache empfiehlt.

Was hilft, wenn die Ohrstöpsel nach Stunden drücken?

Die DGUV nennt eine Ursache: Wird ein runder Stöpsel in einen stark ellipsenförmigen oder flachen Gehörgang eingesetzt, entsteht unangenehmer Druck auf die Haut. Dann sind weiche Schaumstoffstöpsel, Otoplastiken oder Kapselgehörschützer die Alternative. Gehörgänge sind individuell verschieden, es gibt also nicht den einen Gehörschutz für alle.

Im Alltag helfen drei Dinge. Erstens: Setzen Sie den Stöpsel richtig und ausreichend tief ein, mehr dazu in „Ohrstöpsel richtig einsetzen“. Zweitens: Setzen Sie nach, wenn er durch Schweiß oder Hitze gelockert wurde, denn ein zu flach sitzender Stöpsel dämmt weniger. Drittens: Wählen Sie eine passende Größe. Der WorkPRO (SNR 24 dB, H 24 / M 21 / L 19 nach EN 352-2) besteht aus hypoallergenem Silikon, ist gelb und baut flach, sodass er auch unter Kapselgehörschutz oder Helm passt. Er kostet 26,95 €.

Was tun bei einem kleinen Gehörgang?

Ist der Gehörgang eng, wird ein Standardstöpsel schneller zur Belastung. Probieren Sie dann eine kleinere Größe oder lassen Sie den Sitz vermessen. Den WorkPRO mit AR KI TECH Ohrmessung gibt es für 38,95 €, der Sitz wird dabei per App vermessen. Bei Schmerzen, anhaltendem Druck oder Jucken im Ohr ist das kein Fall für Ausprobieren: Nehmen Sie die Stöpsel heraus und sprechen Sie mit Ihrer HNO-Ärztin, Ihrem HNO-Arzt oder dem Betriebsarzt.

Wie steht es um Hygiene und Ohrenschmalz?

Gesundheitsinformation.de schreibt, dass Ohrstöpsel zum Schutz vor Lärm bei häufigem Gebrauch dazu beitragen können, dass sich Ohrenschmalz im Gehörgang ansammelt. Sichtbares Ohrenschmalz lässt sich gefahrlos mit einem weichen Tuch aus der Ohrmuschel entfernen. Mit Wattestäbchen schiebt man es meist tiefer ins Ohr. Ein dumpfes Gefühl, Jucken oder Schmerzen im Ohr gehören in ärztliche Hände.

Saubere Stöpsel gehören zur Routine. Wie Sie wiederverwendbaren Gehörschutz pflegen, steht in „Gehörschutz reinigen“. Wenn Sie nach einer Nachtschicht schlafen wollen, finden Sie Hinweise in „Ohrstöpsel für Schichtarbeiter“.

Welche Lösung passt zu welcher Arbeitsumgebung?

In einer Halle mit Maschinenlärm lesen Sie in „Gehörschutz in Industrie und Produktion“, worauf es ankommt. Wenn Stöpsel auf Dauer nicht passen, vergleicht der Ratgeber „Kapselgehörschutz oder Ohrstöpsel bei der Arbeit“ beide Bauarten. Der Text hier ist keine Rechtsberatung und ersetzt weder die Unterweisung noch die arbeitsmedizinische Vorsorge.

Häufige Fragen zum Tragen von Ohrstöpseln bei der Arbeit

Eine feste Obergrenze in Stunden nennt die DGUV Regel 112-194 nicht. Sie verlangt das Tragen während der gesamten Aufenthaltsdauer in gehörgefährdendem Lärm. Wenn etwas drückt, juckt oder schmerzt, nehmen Sie die Stöpsel heraus und lassen es ärztlich abklären.
Im ruhigen Pausenbereich ja. Wo noch Maschinenlärm hörbar ist, nicht. Prüfen Sie im Zweifel mit Ihrer Fachkraft für Arbeitssicherheit, welche Bereiche als ruhig gelten.
Sehr wenig. Bei einem Gehörschützer mit 30 dB Dämmung sinkt die effektive Wirkung schon bei 1 % Zeit ohne Schutz auf rund 20 dB, bei 10 % auf rund 10 dB (eigene Rechnung nach dem Prinzip der DGUV Regel 112-194, Abschnitt 7.6).
Gesundheitsinformation.de nennt Ohrstöpsel bei häufigem Gebrauch als möglichen Beitrag dazu, dass sich Ohrenschmalz im Gehörgang ansammelt. Sichtbares Ohrenschmalz lässt sich mit einem weichen Tuch aus der Ohrmuschel entfernen, Wattestäbchen schieben es tiefer. Bei Beschwerden hilft die Hausärztin oder der HNO-Arzt.
Die DGUV nennt als Lösungen weiche Schaumstoffstöpsel, Otoplastiken oder Kapselgehörschützer, wenn ein runder Stöpsel in einem flachen Gehörgang Druck erzeugt. Beim WorkPRO mit AR KI TECH Ohrmessung wird der Sitz per App vermessen.