Wie laut sind Kreissäge, Winkelschleifer und Presslufthammer? Dezibel-Tabelle für Werkzeuge und Maschinen

⏱️ Geschätzte Lesezeit: 12 Min.

Mit KI zusammenfassen

Das Wichtigste in Kürze

Der IFA Report 4/2012 der DGUV nennt für Stemmarbeiten mit dem Presslufthammer an der Person gemessene Pegel von 97,3 bis 100,8 dB(A), im Mittel 99,7 dB(A) (8 Messungen). Das liegt deutlich über dem oberen Auslösewert von 85 dB(A).

Die LärmVibrationsArbSchV nennt zwei Auslösewerte für den Tages-Lärmexpositionspegel: 80 dB(A) (untere) und 85 dB(A) (obere), dazu Spitzenschalldruckpegel von 135 und 137 dB(C). Ab 80 dB(A) muss der Arbeitgeber geeigneten Gehörschutz zur Verfügung stellen, ab 85 dB(A) muss er getragen werden.

Drei Dezibel mehr bedeuten die doppelte Schallenergie. Bei gleicher Gesamtbelastung halbiert sich damit die zulässige Einwirkzeit. Wer bei 100 dB(A) arbeitet, erreicht den Wert eines Achtstundentags bei 85 dB(A) rechnerisch schon nach etwa 15 Minuten.

Nein. Es sind Messbeispiele mit Spannweite. Material, Gerät, Raum und Arbeitsverfahren verändern den Pegel, in Hallen und Räumen mit reflektierenden Flächen sind laut BG BAU Pegelüberhöhungen bis 8 dB(A) möglich. Verbindlich ist die Gefährdungsbeurteilung Ihres Betriebs.

Das hängt von Pegel, Frequenz und Tragedauer ab. Die Rechenlogik finden Sie in unserem Beitrag zur Frage, wie viel Gehörschutz Sie brauchen. Ziel am Ohr sind 70 bis 80 dB(A).

Eine Kreissäge, ein Winkelschleifer und ein Presslufthammer sind laut, aber wie laut genau? Die Antwort steht nicht auf dem Gerät, sondern in Messungen an Arbeitsplätzen. Diese Tabelle sammelt solche Messwerte von Werkzeugen und Maschinen, rechnet sie in Einwirkzeiten um und zeigt, wo die Auslösewerte des Arbeitsschutzes erreicht sind. Wenn Sie mit Lärm bei der Arbeit zu tun haben, finden Sie zudem alles Weitere in unserem Überblick zu Ohrstöpsel für die Arbeit. Alltagsgeräusche wie Straße, Küche oder Konzert behandeln wir bewusst nicht hier.

Wie laut sind Werkzeuge und Maschinen? Dezibel-Tabelle

Alle Werte stammen aus den genannten Quellen. Die Pegel des IFA Reports 4/2012 sind A-bewertete Mittelungspegel (LAeq) während der jeweiligen Tätigkeit, gemessen am Arbeitsplatz der Beschäftigten, nicht in einem festen Abstand von einem Meter. Die Spalte mit der Einwirkzeit ist von uns berechnet, und zwar aus dem Mittelwert und der 3-dB-Regel (siehe unten). Wo eine Quelle keinen Mittelwert nennt, steht das so in der Tabelle. Geräte, für die wir keine lesbare Quelle gefunden haben, haben wir weggelassen.

Werkzeug / TätigkeitPegel in dB(A) (Spanne)Mittelwert in dB(A)MessungenZeit bis zum Wert eines 8-Stunden-Tags bei 85 dB(A) (Mittelwert)Quelle
Presslufthammer (Stemmarbeiten, Rohrleitungsbau)97,3 bis 100,899,78rund 16 Min.IFA Report 4/2012, Tab. 12
Fugenschneider (Asphalt)97,5 bis 100,499,22rund 18 Min.IFA Report 4/2012, Tab. 12
Winkelschleifer (Stein)86,7 bis 103,898,311rund 22 Min.IFA Report 4/2012, Tab. 6
Winkelschleifer (Metall)92,0 bis 100,596,415rund 34 Min.IFA Report 4/2012, Tab. 18
Bohren von Dübellöchern91,3 bis 100,295,212rund 45 Min.IFA Report 4/2012, Tab. 18
Rüttelplatte / Grabenwalze94,1 bis 95,494,73rund 51 Min.IFA Report 4/2012, Tab. 12
Stampfer (Tragschicht verdichten)93,3 bis 94,794,12rund 59 Min.IFA Report 4/2012, Tab. 12
Abbruchbagger mit Meißel84,0 bis 97,393,65rund 1 Std. 5 Min.IFA Report 4/2012, Tab. 9
Steinsäge80,2 bis 94,190,062,5 StundenIFA Report 4/2012, Tab. 6
Kreissäge, Holz (herkömmliches Sägeblatt)85 bis 90nicht angegebennicht angegeben8 Stunden bis rund 2,5 StundenIFA, Lärmarme Sägeblätter
Kreissäge, Kunststoff und Metall (herkömmliches Sägeblatt)über 95nicht angegebennicht angegebenunter etwa 50 MinutenIFA, Lärmarme Sägeblätter
Winkelschleifer, Betonplatten trennen (Standard-Trennscheibe, 230 mm)106 bis 108nicht angegebennicht angegebenwenige MinutenIFA-Projekt 4214
Brückensäge, Beton (Standard-Trennscheibe, 350 mm)105 bis 107nicht angegebennicht angegebenwenige MinutenIFA-Projekt 4214
Bolzensetzgerät, NagelgerätImpulslärm: Beurteilung über den Spitzenschalldruckpegel LpC,peak (135 / 137 dB(C))kein Wertkein Wertkeine Zeitrechnung möglichBG BAU Handlungshilfe Lärm

Quellen: IFA Report 4/2012, Lärmbelastung an Baustellenarbeitsplätzen Teil VIII (DGUV), IFA, Lärmarme Sägeblätter, IFA-Projekt 4214, Lärmminderung an Steinsägen und BG BAU, Handlungshilfe Lärm in der Bauwirtschaft. Die Messungen für Presslufthammer, Fugenschneider und Rüttelplatte stammen von Rohrleitungsbauern, die für Winkelschleifer (Metall) und Dübellöcher von Lüftungsbauern, die für Winkelschleifer (Stein) und Steinsäge von Steinmetzen. Bei wenigen Messungen (n = 2 oder 3) ist die Aussagekraft begrenzt, deshalb steht die Zahl der Messungen immer dabei.

Was bedeutet dB(A) und warum zählen 3 dB so viel?

Das Ohr hört mittlere Frequenzen am empfindlichsten, sehr tiefe und sehr hohe Töne schlechter. Der Filter „A“ bildet das nach, daher die Einheit dB(A). Im Arbeitsschutz wird Lärm fast immer in dB(A) angegeben.

Die Dezibel-Skala ist logarithmisch: Eine Minderung um 3 dB entspricht laut IFA bereits einer Halbierung der Schallenergie. Umgekehrt gilt, dass 3 dB mehr die Einwirkzeit halbieren, die für dieselbe Tagesbelastung zur Verfügung steht. So entsteht diese Rechenhilfe, die auf der Definition des Tages-Lärmexpositionspegels LEX,8h beruht und davon ausgeht, dass außer diesem Geräusch kein weiterer Lärm auftritt:

Pegel in dB(A)Zeit bis zum Wert eines 8-Stunden-Tags bei 85 dB(A)
858 Stunden
884 Stunden
912 Stunden
941 Stunde
9730 Minuten
10015 Minuten
1037,5 Minuten

Der Mensch empfindet übrigens erst eine Minderung um etwa 10 dB als „halb so laut“ (IFA). Für die Gesundheit zählt aber die Energie, nicht der Eindruck, daher wirkt ein vermeintlich kleiner Unterschied von 3 dB so deutlich.

Welche Auslösewerte gelten und wo erreicht die Tabelle sie?

In § 6 der LärmVibrationsArbSchV stehen die Auslösewerte. Untere Auslösewerte: LEX,8h = 80 dB(A) beziehungsweise LpC,peak = 135 dB(C). Obere Auslösewerte: LEX,8h = 85 dB(A) beziehungsweise LpC,peak = 137 dB(C). Die dämmende Wirkung eines Gehörschutzes wird bei der Anwendung der Auslösewerte nicht berücksichtigt. Wann Pflichten entstehen, erklärt unser Beitrag LärmVibrationsArbSchV einfach erklärt. Kurz gesagt: Ab 80 dB(A) muss der Arbeitgeber geeigneten Gehörschutz zur Verfügung stellen, ab 85 dB(A) muss er getragen werden, und der Bereich ist als Lärmbereich zu kennzeichnen.

Der Tages-Lärmexpositionspegel mittelt über die ganze Schicht. Die Mittelwerte der IFA-Messungen in der Tabelle liegen bei 90 dB(A) und mehr. Ob am Ende Ihrer Schicht der Auslösewert erreicht ist, hängt also davon ab, wie lange Sie mit dem Gerät arbeiten und welche anderen Geräusche hinzukommen. Das ermittelt die Gefährdungsbeurteilung, nicht diese Tabelle. Schon beim Presslufthammer im Beispiel genügen rechnerisch etwa 15 Minuten, um den Wert eines ganzen 85-dB(A)-Tages zu erreichen.

Warum sind Bolzensetzgerät und Nagler keine Tabellenzeile mit Zahl?

Solche Geräte erzeugen Impulslärm, also kurze, sehr hohe Spitzen. Hier zählt der Spitzenschalldruckpegel LpC,peak in dB(C) mit den Auslösewerten 135 und 137 dB(C). Die BG BAU führt Befestigungsarbeiten mit Bolzensetz- und Nagelgeräten ausdrücklich als Verfahren auf, bei denen die oberen Auslösewerte überschritten werden können. Einen verlässlichen Mittelwert gibt es nicht, und eine Dämmzahl für Dauerlärm lässt sich darauf nicht übertragen. Lassen Sie solche Arbeitsplätze ausmessen und den Gehörschutz fachkundig auswählen.

Welche Dämmung brauche ich zu einem Pegel in der Tabelle?

Dafür gibt es keine feste Zuordnung „Gerät gleich Gehörschutz“. Maßgeblich sind der Pegel an Ihrem Arbeitsplatz, die Frequenz des Lärms (tief oder mittel bis hoch), die Tragedauer und ein Praxisabschlag. Nach der BG BAU werden von der angegebenen Dämmwirkung bei fertig geformten Stöpseln 5 dB abgezogen, bei vor Gebrauch zu formenden Stöpseln 9 dB und bei Kapselgehörschützern 5 dB. Der Wert am Ohr soll nicht über 85 dB(A) liegen, angestrebt wird ein Bereich von 70 bis 80 dB(A). Ein Rechenbeispiel ohne Bezug auf ein bestimmtes Gerät: Bei einem mittel- bis hochfrequenten Arbeitsplatz mit 95 dB(A) und einem fertig geformten Stöpsel mit M-Wert 21 dB ergibt sich 95 − (21 − 5) = 79 dB(A) am Ohr. Das ist ein Rechenschema, keine Eignungsaussage für eine Maschine.

Die ganze Methode mit HML-Check, Tragedauer und Überprotektion erklären wir in Wie viel Gehörschutz brauche ich?. Wenn Sie erst einmal Modelle vergleichen möchten, hilft der Überblick, welcher Gehörschutz für die Arbeit der beste ist. Wer sehr hohe Pegel hat oder zusätzlich Impulslärm, sollte die Auswahl mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit abstimmen.

Wie passt der WorkPRO in die Rechnung?

WorkPRO ist ein passiver, wiederverwendbarer Gehörschutzstöpsel mit 24 dB SNR (EN 352-2, H 24 / M 21 / L 19, geprüft bei der PZT GmbH). Er besteht aus hypoallergenem Silikon, ist gelb, baut flach und passt dadurch unter Kapselgehörschutz oder Helm, hat ein patentiertes Design und kostet 26,95 €. Passiv heißt: Alles wird leiser, rund 24 dB laut SNR, und die Dämmung steigt mit der Frequenz. Ein lautes Warnsignal bleibt hörbar, weil es laut ist, nicht weil ein Filter es durchlässt. Zu beachten: Nach der DGUV können sehr niedrige Pegel am Ohr (unter 70 dB(A)) zu einem Isolationsgefühl und schlechterer Verständigung führen.

Welche Werte für Ihren Arbeitsplatz zählen (M-Wert, L-Wert), sagt die Rechenlogik im Beitrag oben. Gehörschutz ist die letzte Stufe der STOP-Rangfolge, nach Substitution, technischen und organisatorischen Maßnahmen, und ersetzt diese nicht. Wer vor allem auf dem Bau arbeitet, findet weitere Praxishinweise in unserem Beitrag zum Thema Gehörschutz auf der Baustelle.

Der WorkPRO mit AR KI TECH Ohrmessung wird per App vermessen und kostet 38,95 €.

Warum sollten Sie Lärm ernst nehmen, auch wenn es sich nicht „laut genug“ anfühlt?

Lärmschwerhörigkeit ist nach Angaben der BG BAU mit rund 6.500 neuen bestätigten Fällen pro Jahr die zweithäufigste Berufskrankheit in Deutschland (Stand der Handlungshilfe: März 2019). Die BG BAU erkennt jährlich rund 1.500 Fälle an. Gehörschutz begrenzt die Lärmdosis, einen bekannten Risikofaktor. Gehörschäden durch Lärm lassen sich nicht rückgängig machen, deshalb zählt die Vorbeugung. Bei Fragen zum eigenen Gehör sind die Betriebsärztin, der Betriebsarzt oder die HNO-Praxis die richtige Adresse.

Häufige Fragen

Es ist der Schalldruckpegel mit A-Bewertung, die das Hörempfinden des Menschen bei moderaten Pegeln nachbildet. Im Arbeitsschutz ist dB(A) die übliche Einheit, Spitzenpegel werden in dB(C) angegeben. Typische Pegel in Fertigungshallen behandelt der Beitrag Gehörschutz in Industrie und Produktion.

Laut IFA liegen herkömmliche Sägeblätter beim Sägen von Holz bei 85 bis 90 dB(A), beim Sägen von Kunststoff und Metall bei mehr als 95 dB(A). Geräuschgeminderte Sägeblätter senken den Pegel je nach Material um bis zu etwa 6 bis 13 dB(A).

Das hängt vom Material und der Scheibe ab. Der IFA Report nennt für Metall im Mittel 96,4 dB(A) (Spanne 92,0 bis 100,5), für Stein im Mittel 98,3 dB(A). Beim Trennen von Betonplatten mit Standard-Trennscheiben wurden 106 bis 108 dB(A) gemessen.

Nein. Nach der Rangfolge der Maßnahmen kommen zuerst leisere Arbeitsmittel und Verfahren, dann organisatorische Maßnahmen, erst zuletzt persönlicher Gehörschutz. Letzterer ist aber bei Lärm über den Auslösewerten Pflicht.