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- Wie laut ist der Kita-Alltag für Erzieherinnen und Erzieher wirklich?
- Ab wann besteht ein Anspruch auf Gehörschutz in der Kita?
- Was muss der Träger gegen Kita-Lärm tun?
- Welche Maßnahme passt zu welcher Kita-Situation?
- Wie tragen Sie Gehörschutz, wenn Sie die Kinder jederzeit hören müssen?
- Wie sprechen Sie das Thema im Team an?
- Welcher Gehörschutz kommt für die Kita infrage?
- Und die Kita-Leitung oder der Träger?
- Was gilt für Lehrkräfte, Handwerk und Baustelle?
- Wann sollten Sie ärztlichen Rat suchen?
Das Wichtigste in Kürze
Viele Kinder, ein Gruppenraum und dazu Mittagessen, Singkreis oder Bewegungsphase: Wer in der Kita arbeitet, kennt Lärm, der den ganzen Kopf einnimmt. Dieser Ratgeber klärt ehrlich, was die Fachliteratur zu Kita-Lärm sagt, wann Gehörschutz überhaupt ein Thema ist und wie Sie ihn einsetzen, ohne Ihre Aufsicht zu gefährden. Allgemeines zu Schutzstufen und Auswahl finden Sie in unserem Überblick zu Ohrstöpsel für die Arbeit.
Wie laut ist der Kita-Alltag für Erzieherinnen und Erzieher wirklich?
Laut DGUV-Pressemitteilung vom 28. Mai 2026 kann der Lärmpegel in einer Kita Baustellen-Niveau erreichen, etwa beim Spielen in der Gruppe oder wenn die Kinder abgeholt werden (DGUV, Tipps gegen Lärm in Kitas). Konkrete Messwerte für Ihren Raum liefert nur eine Messung vor Ort. Wir nennen deshalb keine pauschalen Dezibel-Zahlen, die wir nicht selbst in einer Quelle gelesen haben.
Wichtig für die Einordnung: Die DGUV Information 202-106 hält fest, dass die in Kitas übliche Lärmbelastung sich in der Regel nicht auf einem so hohen Niveau bewegt, dass zwangsläufig eine Lärmschwerhörigkeit zu erwarten ist. Im Vordergrund stehen die extra-auralen Wirkungen, also Stress, schlechtere Sprachverständlichkeit und nachlassende Konzentration (DGUV Information 202-106, Februar 2020). Die Unfallkasse Berlin nennt als mögliche Langzeitfolgen anhaltender Lärmbelastung unter anderem ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Tinnitus oder Schwerhörigkeit (Unfallkasse Berlin, Auf dem Weg zur leisen Kita). Das sind Aussagen über Risiken bei Lärm allgemein, keine Aussage über Sie persönlich.
Ab wann besteht ein Anspruch auf Gehörschutz in der Kita?
Die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV) legt zwei Stufen fest: Ab 80 dB(A) muss der Arbeitgeber Gehörschutz bereitstellen, ab 85 dB(A) muss er getragen werden und der Bereich ist als Lärmbereich zu kennzeichnen. Zusätzlich darf unter dem Gehörschutz ein Pegel von 85 dB(A) nicht überschritten werden. Eine verständliche Erklärung finden Sie in unserem Beitrag LärmVibrationsArbSchV einfach erklärt.
Ehrlich gesagt: Nach der DGUV Information 202-106 liegt die übliche Kita-Belastung in der Regel unter dem Niveau, bei dem eine Lärmschwerhörigkeit zu erwarten ist. Ob Ihr Raum die Auslösewerte erreicht, zeigt erst die Gefährdungsbeurteilung des Trägers. Unterhalb der Werte besteht kein automatischer Anspruch, aber der Träger bleibt zur Gefährdungsbeurteilung verpflichtet und muss bei Bedarf Maßnahmen ableiten. Gehörschutz ist dabei die letzte Stufe: Erst kommen Lärmquellen, Raum und Organisation, dann die persönliche Schutzausrüstung. Ob eine Kostenübernahme infrage kommt, besprechen Sie mit Leitung und Träger. Das ist keine Rechtsberatung.
Was muss der Träger gegen Kita-Lärm tun?
Die Unfallkasse Berlin beschreibt drei Ansätze: baulich-technisch, organisatorisch und pädagogisch. Gehörschutz kommt erst in Betracht, wenn diese Maßnahmen ausgeschöpft sind. Er sollte in der Gefährdungsbeurteilung bewertet und dokumentiert werden, mit dem Träger über die Anschaffung gesprochen werden, und vor der ersten Nutzung ist eine Unterweisung nötig.
Der wirksamste Hebel ist laut derselben Broschüre der Nachhall: Wird die Nachhallzeit auf ein optimales Niveau gebracht, sinkt der Geräuschpegel in der Regel um 10 Dezibel. Die DGUV nennt außerdem Ruhepausen im Tagesablauf, mehr Spielen draußen, kleinere Gruppen und Lärmampeln (DGUV).
Welche Maßnahme passt zu welcher Kita-Situation?
| Kita-Situation | Worauf es ankommt | Maßnahme zuerst |
|---|---|---|
| Gruppenraum mit hartem Boden und glatten Wänden | Nachhall: Die Sprache verwischt, es wird lauter gesprochen (Lombardeffekt) | Raumakustik prüfen und verbessern (Unfallkasse Berlin) |
| Mittagessen, Abholzeit | Viele Stimmen gleichzeitig, kurze Spitzen | Abläufe entzerren, kleinere Gruppen, Lärmampel (DGUV) |
| Singkreis, Bewegungsraum | Laute, aber planbare Phasen | Ruhepausen einplanen; nur punktuell Gehörschutz, wenn alles andere ausgeschöpft ist |
| Dauerhafte Belastung im Team | Stress, Konzentration, Stimme | Leitung und Team sprechen, Betriebsärztin einbeziehen, Gefährdungsbeurteilung |
Wie tragen Sie Gehörschutz, wenn Sie die Kinder jederzeit hören müssen?
Das ist der Kern des Zielkonflikts. Zu Ihrer Aufsicht gehört, dass Sie die Kinder wahrnehmen. Die DGUV Information 202-106 sagt deshalb ausdrücklich, dass ein kurzzeitiger Gebrauch von Gehörschutz nicht zu Lasten der pädagogischen Arbeit gehen darf, und empfiehlt, mit der Betriebsärztin oder dem Betriebsarzt zu besprechen, welcher Gehörschutz geeignet ist.
Ein passiver Gehörschutz senkt alle Geräusche, auch Kinderstimmen. Weil jede Dämpfung leise Rufe schwerer hörbar macht, gilt: so wenig Dämpfung wie nötig und nur in den lauten Phasen. Wie Sie das mit Ihrer Aufsicht vereinbaren, entscheidet Ihre Leitung gemeinsam mit dem Träger. Stimmen Sie im Team ab, wann und wo Sie ihn tragen, und nehmen Sie ihn in ruhigen Phasen heraus. Einen zu hohen Dämpfungswert auszuwählen kann zu Überprotektion führen.
Wie Sie den passenden Dämpfungswert finden, zeigt unser Ratgeber: wie viel Gehörschutz brauche ich.
Wie sprechen Sie das Thema im Team an?
Uwe Hellhammer von der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen fasst es in der DGUV-Meldung so zusammen: Am Ende zählt vor allem, dass sich die Leitung mit dem Team zusammensetzt und ernsthaft darüber spricht. Praktisch heißt das: Notieren Sie, in welchen Phasen es besonders laut wird, und bitten Sie um eine Messung oder eine Lärmampel für ein bis zwei Wochen. Fragen Sie nach dem Stand der Gefährdungsbeurteilung zum Thema Lärm und danach, ob die Raumakustik zuletzt geprüft wurde. So wird aus einem Gefühl eine Datengrundlage, mit der Leitung und Träger arbeiten können.
Auch das Team kann viel tun, ohne Technik: gestaffelte Spielzeiten, feste Ruhezonen, weiche Materialien wie Teppiche und Filzgleiter an Stühlen und eine bewusst leise Sprechweise der Erwachsenen. Kinder dürfen laut sein. Nach der Unfallkasse Berlin leiden sie aber besonders unter Lärm, dem sie passiv ausgesetzt sind, deshalb nützt jede Verbesserung der Akustik auch ihnen.
Welcher Gehörschutz kommt für die Kita infrage?
Wenn die Gefährdungsbeurteilung Gehörschutz für laute Phasen vorsieht, ist ein flach bauender Silikonstöpsel eine Option. Der WorkPRO bietet 24 dB SNR nach EN 352-2 (H 24, M 21, L 19, geprüft bei der PZT GmbH), besteht aus hypoallergenem Silikon, ist gelb, baut flach und hat ein patentiertes Design. Er kostet 26,95 €. Er dämpft passiv: Alles wird rund 24 dB leiser, die Dämpfung steigt mit der Frequenz. Ein lautes Signal bleibt hörbar, weil es laut ist, nicht weil ein Filter es durchlässt. Für ruhige Phasen mit leisen Kindern ist er zu stark.
Mit dem WorkPRO mit AR KI TECH Ohrmessung wird Ihr Ohr per App vermessen, für 38,95 €. Beide gibt es hier:
Und die Kita-Leitung oder der Träger?
Wenn der Träger Gehörschutz für mehrere Mitarbeitende beschaffen will, finden Sie Staffelpreise und Teambestellung auf der Seite Gehörschutz für Kita-Teams bestellen. Diese Seite ist die Bestellseite, dieser Ratgeber die Einordnung.
Was gilt für Lehrkräfte, Handwerk und Baustelle?
Für Lehrkräfte in der Schule gelten andere Träger und andere Pegel. Wer auf Baustellen arbeitet, findet Hinweise in Gehörschutz auf der Baustelle. Für die Perspektive der Kinder verweisen wir auf unsere Seite zu Ohrstöpseln für Kinder.
Wann sollten Sie ärztlichen Rat suchen?
Wenn Ihnen der Lärm dauerhaft zusetzt oder Sie Beschwerden am Ohr bemerken, sprechen Sie mit Ihrer Betriebsärztin oder Ihrem Betriebsarzt oder gehen Sie in eine HNO-Praxis. Gehörschutz begrenzt die Lärmdosis, er behandelt nichts und ersetzt keine Abklärung.
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