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- Was ist ein Lärmbereich und wann muss er gekennzeichnet werden?
- Was bedeutet das Gebotszeichen „Gehörschutz benutzen“ (M003)?
- Was gilt im Lärmbereich: Zutritt, Abgrenzung und Tragepflicht?
- Welche Pflicht gilt in welcher Situation?
- Wie wird auf Baustellen und an mobilen Maschinen gekennzeichnet?
- Welcher Gehörschutz passt in den Lärmbereich?
- Was sollten Betriebe als Nächstes prüfen?
Das Wichtigste in Kürze
Ein blaues rundes Schild neben der Hallentür: Viele sehen es täglich, wenige wissen, was dahintersteht. Für Betriebe ist es mehr als ein Hinweis, denn der Gesetzgeber verlangt, dass laute Bereiche erkennbar gemacht werden. Dieser Ratgeber erklärt, wann ein Lärmbereich vorliegt, was das Gebotszeichen „Gehörschutz benutzen“ bedeutet und was auf Baustellen gilt. Er gehört zum Themenbereich Ohrstöpsel für die Arbeit und ist keine Rechtsberatung.
Was ist ein Lärmbereich und wann muss er gekennzeichnet werden?
Maßgeblich ist § 7 LärmVibrationsArbSchV, Absatz 4: Der Arbeitgeber hat Arbeitsbereiche, in denen einer der oberen Auslösewerte für Lärm überschritten werden kann, als Lärmbereiche zu kennzeichnen und, falls technisch möglich, abzugrenzen. Die oberen Auslösewerte nennt § 6 der Verordnung: 85 dB(A) als Tages-Lärmexpositionspegel (LEX,8h) und 137 dB(C) als Spitzenschalldruckpegel (LpC,peak). Die unteren Auslösewerte liegen bei 80 dB(A) und 135 dB(C). Einen Überblick über die gesamte Verordnung finden Sie in unserem Beitrag LärmVibrationsArbSchV einfach erklärt.
Zwei Punkte werden oft verwechselt. Erstens: Bei der Anwendung der Auslösewerte wird die dämmende Wirkung eines Gehörschutzes nicht berücksichtigt. Ein Bereich bleibt also ein Lärmbereich, auch wenn alle Beschäftigten Gehörschutz tragen. Zweitens: Der Auslösewert bezieht sich auf den Tages-Lärmexpositionspegel über acht Stunden. Entscheidend ist deshalb nicht, wie laut es in einem Moment ist, sondern wie laut und wie lange es über den Arbeitstag wird.
Was bedeutet das Gebotszeichen „Gehörschutz benutzen“ (M003)?
Nach der DGUV Regel 112-194 „Benutzung von Gehörschutz“ sind Lärmbereiche durch das Gebotszeichen M003 „Gehörschutz benutzen“ gekennzeichnet. Das Zeichen ist ein Gebotszeichen: blau, rund, mit weißem Piktogramm. Es sagt nicht „hier ist es laut“, sondern „hier gilt eine Pflicht“. Die Regel nennt als Quelle der Darstellung die Arbeitsstättenregel ASR A1.3. Wir bilden das Piktogramm hier bewusst nicht nach: Nutzen Sie für Ihren Betrieb Schilder, die der Vorgabe entsprechen, und stimmen Sie die Platzierung mit Ihrer Fachkraft für Arbeitssicherheit ab.
Wichtig ist die Platzierung: Das Zeichen gehört dorthin, wo der Lärmbereich beginnt, also an Zugänge, Türen und Wege, bevor jemand den Bereich betritt. Ein Schild, das erst mitten in der Halle hängt, kommt zu spät.
Was gilt im Lärmbereich: Zutritt, Abgrenzung und Tragepflicht?
§ 7 Abs. 4 regelt auch den Aufenthalt: In diesen Bereichen dürfen sich Beschäftigte nur aufhalten, wenn das Arbeitsverfahren dies erfordert und sie eine geeignete persönliche Schutzausrüstung verwenden. Abgegrenzt wird, wo es technisch möglich ist, etwa durch Wände, Türen oder Absperrungen. Wo das nicht geht, bleibt die Kennzeichnung.
Die Tragepflicht folgt aus § 8 LärmVibrationsArbSchV, Absatz 3: Erreicht oder überschreitet die Lärmexposition einen der oberen Auslösewerte, hat der Arbeitgeber dafür zu sorgen, dass die Beschäftigten den Gehörschutz bestimmungsgemäß verwenden. Die DGUV fasst es so zusammen: Ist ein Bereich als Lärmbereich gekennzeichnet, ist in jedem Fall Gehörschutz zu benutzen (siehe FAQ des DGUV-Fachbereichs PSA zum Gehörschutz). Ab den unteren Auslösewerten muss der Arbeitgeber Gehörschutz bereitstellen, vorher sind aber technische und organisatorische Maßnahmen Pflicht: Lärmminderung am Entstehungsort hat Vorrang vor Gehörschutz. Zu den Pflichten im Überblick lesen Sie auch Pflichten des Arbeitgebers beim Gehörschutz, zur Tragepflicht den Beitrag ab wann Gehörschutz Pflicht ist.
Welche Pflicht gilt in welcher Situation?
| Situation | Pflicht | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| Bereich, in dem ein oberer Auslösewert (85 dB(A) / 137 dB(C)) überschritten werden kann | Als Lärmbereich kennzeichnen, falls technisch möglich abgrenzen | § 7 Abs. 4 LärmVibrationsArbSchV |
| Aufenthalt im Lärmbereich | Nur, wenn das Arbeitsverfahren es erfordert, und mit geeigneter persönlicher Schutzausrüstung | § 7 Abs. 4 LärmVibrationsArbSchV |
| Unterer Auslösewert (80 dB(A) / 135 dB(C)) trotz Maßnahmen nicht eingehalten | Geeigneten Gehörschutz zur Verfügung stellen | § 8 Abs. 1 LärmVibrationsArbSchV |
| Oberer Auslösewert erreicht oder überschritten | Dafür sorgen, dass der Gehörschutz bestimmungsgemäß verwendet wird | § 8 Abs. 3 LärmVibrationsArbSchV |
| Pegel unter dem Gehörschutz | Höchstens 85 dB(A) bzw. 137 dB(C) dürfen am Ohr ankommen | § 8 Abs. 2 LärmVibrationsArbSchV |
| Ortsveränderlicher Lärmbereich (z. B. Baustelle) | Kennzeichnung am Arbeitsmittel | DGUV Regel 112-194 |
| Zustand des Gehörschutzes | In regelmäßigen Abständen überprüfen | § 8 Abs. 4 LärmVibrationsArbSchV |
Wie wird auf Baustellen und an mobilen Maschinen gekennzeichnet?
Auf Baustellen wandern Lärmquellen: Ein Bohrhammer ist heute im Erdgeschoss, morgen im dritten Stock. Für solche ortsveränderlichen Lärmbereiche sieht die DGUV Regel 112-194 vor, dass die Kennzeichnung am Arbeitsmittel erfolgt. Das Gebotszeichen wandert also mit der Maschine. Wie sich die Lage auf dem Bau insgesamt darstellt, lesen Sie unter Gehörschutz auf der Baustelle.
Für die Praxis heißt das: Wer Geräte ausleiht oder Fremdfirmen einsetzt, sollte vorab klären, wer die Kennzeichnung übernimmt und wer den Gehörschutz stellt. Die DGUV Regel 112-194 nennt außerdem Spender für Gehörschutzstöpsel an Zugängen zu Lärmbereichen als Erleichterung, mit Hinweis auf die Ausgabestellen.
Welcher Gehörschutz passt in den Lärmbereich?
Das Schild sagt, dass Gehörschutz getragen werden muss, aber nicht welcher. Entscheidend ist der Pegel: Nach § 8 Abs. 2 muss unter Einbeziehung der Dämmung sichergestellt sein, dass am Ohr höchstens 85 dB(A) beziehungsweise 137 dB(C) ankommen. Ein Gehörschutz, der in einem Bereich mit 88 dB(A) reicht, kann bei deutlich höheren Pegeln zu wenig sein. Wie Sie nach Pegel auswählen, steht in wie viel Gehörschutz brauche ich. Die DGUV Regel 112-194 weist zudem darauf hin, dass Überprotektion unzulässig ist, wenn Warnsignale oder Kommunikation am Arbeitsplatz wichtig sind: Zu stark zu dämmen ist also ebenfalls ein Fehler.
Für viele Arbeitsplätze im mittleren Pegelbereich kommen Ohrstöpsel infrage. Der WorkPRO dämmt passiv mit 24 dB SNR nach EN 352-2 (H 24 / M 21 / L 19, geprüft durch die PZT GmbH), besteht aus hypoallergenem Silikon, baut flach und kann unter Kapselgehörschutz oder Helm getragen werden. Er kostet 26,95 €, mit AR KI TECH Ohrmessung, bei der das Ohr per App vermessen wird, 38,95 €. Wichtig: Alles wird um rund 24 dB leiser. Ein lautes Warnsignal bleibt hörbar, weil es laut ist, nicht weil ein Filter es durchlässt. Ob dieser Wert für Ihren Bereich passt, hängt vom gemessenen Pegel ab. Gehörschutz ist die letzte Stufe der Rangfolge nach § 7 Abs. 1 und ersetzt keine Lärmminderung an der Quelle.
Was sollten Betriebe als Nächstes prüfen?
Eine kurze Checkliste für die Praxis, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
- Liegt die Gefährdungsbeurteilung Lärm vor, und ist der Lärmbereich daraus abgeleitet?
- Hängt das Gebotszeichen an jedem Zugang, auch an Nebeneingängen?
- Gibt es bei ortsveränderlichen Quellen eine Kennzeichnung am Arbeitsmittel?
- Steht Gehörschutz am Eingang bereit, und ist er für den jeweiligen Pegel geeignet?
- Sind Beschäftigte und Besucher unterwiesen, und wird die Tragepflicht kontrolliert?
Zur arbeitsmedizinischen Seite gehört der Hörtest, mehr dazu unter G 20 Vorsorge Lärm. Wer Gehörschutz individuell anfertigen lassen möchte, findet Hintergründe zu Otoplastik für die Arbeit.
Bei Fragen zur Einstufung Ihres Bereichs wenden Sie sich an Ihre Fachkraft für Arbeitssicherheit, Ihren Betriebsarzt oder Ihre Betriebsärztin und Ihre Berufsgenossenschaft. Bei Hörproblemen ist die HNO-Ärztin oder der HNO-Arzt die richtige Anlaufstelle.
Häufige Fragen zu Lärmbereich und Gebotszeichen
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