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- Was ist Lärmschwerhörigkeit und wie entsteht sie?
- Ab welchem Pegel steigt das Risiko?
- Wie verbreitet ist die Berufskrankheit BK 2301?
- Wie läuft das Verfahren zur Anerkennung ab?
- Was verlangt das Gesetz am lauten Arbeitsplatz?
- Wann zum HNO-Arzt oder zur Betriebsärztin?
- Was Sie tun können
- Häufige Fragen zur Lärmschwerhörigkeit als Berufskrankheit
Das Wichtigste in Kürze
Lärmschwerhörigkeit ist ein Schaden im Innenohr, der sich durch jahrelange Lärmbelastung bei der Arbeit entwickeln kann. Nach der BAuA gilt sie als chronische, irreparable Schädigung, die als Berufskrankheit Nr. 2301 anerkannt werden kann.
Laut BAuA (Stand 2024) ist die Lärmschwerhörigkeit mit fast 9 000 anerkannten Fällen die am häufigsten von der DGUV anerkannte Berufskrankheit. In Deutschland sind laut BAuA vier bis fünf Millionen Beschäftigte gehörgefährdendem Lärm ausgesetzt.
Ärztinnen, Ärzte und Unternehmen sind gesetzlich verpflichtet, einen Verdacht auf eine Berufskrankheit der Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse zu melden. Betroffene können den Verdacht auch formlos selbst melden (DGUV).
Der zuständige Unfallversicherungsträger, also die Berufsgenossenschaft oder die Unfallkasse. Er prüft von Amts wegen, ob die Erkrankung durch die Arbeit verursacht wurde.
Die Lärmdosis begrenzen: Lärmquellen und Lärmbereiche kennen, die Vorsorge beim Betriebsarzt nutzen und Gehörschutz tragen, der zum Pegel passt. Gehörschutz begrenzt die Lärmdosis, einen bekannten Risikofaktor.
Lärmschwerhörigkeit als Berufskrankheit ist eines der häufigsten Themen im Arbeitsschutz: Sie entsteht nicht über Nacht, sondern leise und über Jahre. Dieser Beitrag erklärt sachlich, wie sie entsteht, ab welchen Pegeln das Risiko steigt, wie das Verfahren zur Berufskrankheit BK 2301 abläuft und was an lauten Arbeitsplätzen zählt. Praktische Hinweise zu Ohrstöpsel für die Arbeit finden Sie am Ende des Beitrags. Er ersetzt keine Rechts- und keine ärztliche Beratung.
Was ist Lärmschwerhörigkeit und wie entsteht sie?
Lärmschwerhörigkeit ist eine Schädigung des Innenohrs durch Lärm. Nach dem BAuA-Handbuch zur Gefährdungsbeurteilung entwickelt sie sich allmählich durch langjährige Lärmexposition und gilt als chronische, irreparable Schädigung. Gemeint ist: Was das Innenohr verliert, kommt nicht zurück. Deshalb steht in der Arbeitsmedizin die Dosis im Mittelpunkt, also wie laut und wie lange ein Mensch dem Lärm ausgesetzt ist.
Gesundheitsinformation.de, das Portal des IQWiG, beschreibt den Ablauf so: Nach einer einzelnen Belastung kann das Hören für einige Minuten oder Stunden schlechter sein, ähnlich wie mit Watte in den Ohren. Es kann aber auch sein, dass man zunächst gar nichts bemerkt und die Haarzellen im Innenohr trotzdem geschädigt werden. Im Laufe von Jahren kann sich eine dauerhafte Schwerhörigkeit entwickeln (Gesundheitsinformation.de).
Typisch ist ein schleichender Verlauf. Beide Ohren sind betroffen, und das Hörvermögen ist zunächst im Bereich hoher Töne eingeschränkt. Dann werden Vogelzwitschern, Telefon oder Türklingel schlechter wahrgenommen. Später wird es schwieriger, Gesprächen zu folgen, vor allem bei Hintergrundgeräuschen wie Stimmengewirr oder Maschinenlärm. Im ungünstigen Fall kann die Lärmschwerhörigkeit bis zum vollständigen Hörverlust führen.
Ab welchem Pegel steigt das Risiko?
Eine einzige Zahl gibt es nicht, weil das Risiko von Pegel und Dauer zusammen abhängt. Das BAuA-Handbuch nennt für langjährige Exposition A-bewertete Schalldruckpegel ab etwa 80 dB, bei denen bleibende Hörminderungen möglich sind. Gesundheitsinformation.de beschreibt das Risiko ab etwa 80 bis 85 Dezibel als erhöht, abhängig davon, wie lange man dem Lärm pro Tag oder pro Woche ausgesetzt ist. Zusätzliche Lärmspitzen können die Belastung weiter erhöhen.
Davon zu unterscheiden ist der akute Gehörschaden durch sehr hohe Schallimpulse. Laut BAuA kann ein Schaden schon bei einmaliger, kurzer Einwirkung mit einem C-bewerteten Spitzenschalldruckpegel ab etwa 137 dB nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Er wird laut BAuA meist als Unfallfolge gewertet. Bei einem akuten akustischen Trauma tritt nach Gesundheitsinformation.de oft gleichzeitig ein Tinnitus auf.
Auch abseits des Gehörs hat Lärm Folgen, die die BAuA nennt: das Überhören von Warnsignalen, Kommunikationsstörungen, ein erhöhtes Risiko für das Herz-Kreislauf-System und eine verminderte Arbeitsleistung. Lärm ist damit nicht nur ein Thema für die Ohren, sondern für den gesamten Arbeitsalltag.
Wie verbreitet ist die Berufskrankheit BK 2301?
Laut BAuA sind in Deutschland vier bis fünf Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gehörgefährdendem Lärm ausgesetzt. Die Lärmschwerhörigkeit (BK-Nr. 2301) ist mit fast 9 000 Fällen (Stand 2024) die am häufigsten von der DGUV anerkannte Berufskrankheit. Gemeint ist ein Risiko für Beschäftigte in lauten Branchen insgesamt, nicht eine Aussage über einzelne Personen.
Die Lärmschwerhörigkeit steht in der Berufskrankheiten-Liste, die in der Anlage 1 der Berufskrankheiten-Verordnung abgebildet ist, unter Nr. 2301 in der Gruppe „Lärm“ (Anlage 1 zur BKV). Nach Angaben der DGUV umfasst die Liste seit dem 1. April 2025 insgesamt 85 Krankheiten. Nur Erkrankungen, die dort aufgeführt sind, können als Berufskrankheit anerkannt werden, oder im Ausnahmefall „wie eine Berufskrankheit“.
Wie läuft das Verfahren zur Anerkennung ab?
Nicht jede Erkrankung, die mit der Arbeit zu tun hat, ist eine Berufskrankheit. Die DGUV unterscheidet zwischen arbeitsbedingten Erkrankungen und Berufskrankheiten. Für eine Berufskrankheit muss die Arbeit im Einzelfall die wesentliche Ursache sein, und die Einwirkung muss in der Berufskrankheiten-Liste stehen. Das Verfahren beschreibt die DGUV in ihren FAQ zu Berufskrankheiten. Die folgende Tabelle fasst die Stufen zusammen.
| Stufe | Was passiert | Wer ist zuständig |
|---|---|---|
| 1. Lärm bei der Arbeit | Der Lärm am Arbeitsplatz wird bewertet, Schutzmaßnahmen werden festgelegt. Gehörschutz ist dabei die letzte Stufe der Rangfolge. | Arbeitgeber, unterstützt durch Betriebsärztin oder Betriebsarzt |
| 2. Verdacht | Eine Hörstörung wird festgestellt, und es gibt Hinweise auf eine Lärmbelastung bei der Arbeit. Der Verdacht gilt als begründet, wenn jemand eine Reihe von Jahren unter Lärmbedingungen gearbeitet hat. | Ärztinnen und Ärzte; Unternehmen; Betroffene selbst, formlos |
| 3. Anzeige | Die Berufskrankheiten-Verdachtsanzeige geht an die Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse. Auch Krankenkassen geben Hinweise weiter. | Ärztinnen und Ärzte sowie Unternehmen (gesetzliche Pflicht) |
| 4. Prüfung | Der Träger prüft von Amts wegen, ob die Erkrankung durch die Arbeit verursacht wurde. Dafür kann ein Gutachten unabhängiger Sachverständiger nötig sein. | Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse; Gewerbearzt des Bundeslandes beteiligt |
| 5. Entscheidung und Leistungen | Bei Anerkennung reichen die Leistungen von der medizinischen Versorgung bis zu beruflichen Maßnahmen. Eine Rente kommt in Betracht, wenn die Erwerbsfähigkeit um mindestens 20 Prozent gemindert ist. | Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse; bei Widerspruch deren Widerspruchsausschuss, danach das Sozialgericht |
Für Ärztinnen und Ärzte hat die DGUV in der BK-Info zur BK 2301 zusammengestellt, bei welcher Diagnose und welcher beruflichen Einwirkung eine Anzeige infrage kommt. Wer sich unsicher ist, spricht am besten mit der Betriebsärztin, dem Betriebsarzt oder der Berufsgenossenschaft. Dieser Beitrag gibt keine Rechtsberatung und ersetzt kein Verfahren.
Zur Begutachtung nennt die DGUV: Die Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse schlägt in der Regel drei medizinische Gutachterinnen oder Gutachter vor, und die Versicherten wählen aus. Die Kosten der Begutachtung trägt der Unfallversicherungsträger. Wer mit der Entscheidung nicht einverstanden ist, kann Widerspruch einlegen und danach kostenfrei und ohne Anwaltszwang vor dem Sozialgericht klagen.
Was verlangt das Gesetz am lauten Arbeitsplatz?
Das Arbeitsschutzrecht knüpft an feste Auslösewerte an. In LärmVibrationsArbSchV einfach erklärt finden Sie die Details. Kurz gefasst: Ab 80 dB(A) beziehungsweise 135 dB(C) muss der Arbeitgeber Gehörschutz zur Verfügung stellen. Ab 85 dB(A) beziehungsweise 137 dB(C) muss er getragen werden, und der Bereich ist als Lärmbereich zu kennzeichnen. Unter dem Gehörschutz dürfen höchstens 85 dB(A) beziehungsweise 137 dB(C) ankommen.
Welche Pflichten der Arbeitgeber darüber hinaus hat, steht in Pflichten des Arbeitgebers beim Gehörschutz. Wichtig ist die Reihenfolge der Maßnahmen: Gehörschutz ist die letzte Stufe der STOP-Rangfolge und kein Ersatz für Lärmminderung an der Quelle. Er ist Teil des Gesamtkonzepts, nicht das ganze Konzept.
Wann zum HNO-Arzt oder zur Betriebsärztin?
Zur Früherkennung dient die arbeitsmedizinische Vorsorge. Was dabei geschieht, erklärt der Beitrag G 20 Vorsorge Lärm. Ein Hörtest im Rahmen der Vorsorge kann Veränderungen früh sichtbar machen. Auffälligkeiten klärt eine HNO-Ärztin oder ein HNO-Arzt, bei Fragen zur Arbeit die Betriebsärztin oder der Betriebsarzt.
Ohrgeräusche und Hörveränderungen nach Lärm gehören grundsätzlich in ärztliche Hände. Wie Tinnitus und Lärmbelastung zusammenhängen, erklärt die Seite zu Ohrstöpsel und Tinnitus. Gehörschutz begrenzt dabei die Lärmbelastung. Er ersetzt keine ärztliche Abklärung.
Was Sie tun können
Die Dosis ist der Hebel. Je weniger Lärm Ihr Gehör pro Tag erreicht, desto kleiner fällt der bekannte Risikofaktor aus. Im Alltag helfen drei Dinge: Kennen Sie die Pegel an Ihrem Arbeitsplatz, nutzen Sie die Vorsorge und tragen Sie Gehörschutz, wenn der Pegel es erfordert. Wie viel Dämmung sinnvoll ist, erklärt der Beitrag zur Frage wie viel Gehörschutz brauche ich. Mehr Dämmung ist nicht automatisch besser.
Auch außerhalb der Arbeit summiert sich Lärm. Wer nach Feierabend mit lauten Maschinen arbeitet, findet Hinweise im Beitrag Gehörschutz für Rasenmäher und Gartenarbeit. Bei sehr hohen Pegeln kommt die Kombination aus Kapsel und Stöpsel infrage; das erklärt der Beitrag Doppelter Gehörschutz.
Ein Beispiel für passiven Gehörschutz zum Einstecken ist WorkPRO: SNR 24 dB (H 24, M 21, L 19 nach EN 352-2, geprüft von der PZT GmbH), hypoallergenes Silikon, gelb, flach bauend, patentiertes Design, 26,95 €. Er macht alles um rund 24 dB leiser; ein lautes Warnsignal bleibt hörbar, weil es laut ist, nicht weil ein Filter es durchlässt. So schützt WorkPRO Ihr Gehör vor weiterer Lärmbelastung. Die Variante WorkPRO mit AR KI TECH Ohrmessung (38,95 €) wird per App vermessen.
Häufige Fragen zur Lärmschwerhörigkeit als Berufskrankheit
Häufige Fragen
Nach dem BAuA-Handbuch ist die Lärmschwerhörigkeit eine chronische, irreparable Schädigung. Was im Einzelfall möglich ist, klären HNO-Ärztinnen und HNO-Ärzte.
BK 2301 ist die Nummer der Lärmschwerhörigkeit in der Berufskrankheiten-Liste, die in der Anlage 1 der Berufskrankheiten-Verordnung steht.
Die gesetzliche Unfallversicherung, also Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse. Laut DGUV reichen ihre Leistungen von der medizinischen Versorgung bis zu beruflichen Maßnahmen. Eine Rente kommt in Betracht, wenn die Erwerbsfähigkeit um mindestens 20 Prozent gemindert ist.
Ja. Nach der DGUV können Betroffene oder ihre Angehörigen die Erkrankung formlos bei der Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse melden. Auch das Serviceportal der gesetzlichen Unfallversicherung steht dafür zur Verfügung.
Nein. Gehörschutz ist die letzte Stufe der STOP-Rangfolge. Vorrang hat Lärmminderung an der Quelle, ergänzt durch organisatorische Maßnahmen und Vorsorge. Gehörschutz begrenzt die Lärmdosis, einen bekannten Risikofaktor.
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