Ohrstöpsel unter dem Motorradhelm richtig tragen

⏱️ Geschätzte Lesezeit: 12 Min.

Mit KI zusammenfassen

Das Wichtigste in Kürze

Zuerst die Ohrstöpsel, dann der Helm. Mit aufgesetztem Helm kommst du nicht mehr sauber ans Ohr und kannst nicht prüfen, ob der Stöpsel tief genug sitzt. Beim Aufziehen des Helms führst du ihn vorsichtig über die Ohren, damit nichts verrutscht.
Die Ohrmuschel mit der freien Hand sanft nach hinten oben ziehen, den Stöpsel mit einer leichten Drehbewegung einsetzen und kurz festhalten. Das Ziehen am Ohr begradigt den Gehörgang. Das empfiehlt auch die DGUV.
Meist sitzt der Stöpsel nicht tief genug, wurde zu kurz festgehalten oder ist für den Gehörgang nicht passend. Dazu kommen Zug an der Helmpolsterung beim Auf- und Absetzen und eine Sturmhaube, die den Stöpsel wieder herausschiebt.
Deine eigene Stimme klingt dumpfer und der Raum ist deutlich leiser. Das ist nur ein Sitz-Check, kein Messwert. Bleibt der Klang fast unverändert, sitzt der Stöpsel oft zu flach und sollte neu eingesetzt werden.
Der Moto+ hat keinen Stiel und liegt flach im Gehörgang. Es steht also nichts ab, was die Helmpolsterung gegen das Ohr drücken könnte. Bei Schmerzen oder Druckgefühl im Gehörgang nimmst du den Stöpsel heraus.

Der Helm sitzt, der Ohrstöpsel ist nach zwei Kilometern wieder im Gehörgang verschwunden oder liegt irgendwo in der Jacke. Dieses Problem kennen viele, die zum ersten Mal mit Gehörschutz fahren. In Foren heißt es dann „verrutscht“, „fällt raus“ oder „drückt unter dem Helm“. Meistens liegt es nicht am Stöpsel, sondern an der Reihenfolge und am Einsetzen.

Hier bekommst du die Anleitung Schritt für Schritt: erst die Stöpsel, dann der Helm, dazu ein Sitz-Check und Tipps gegen Verrutschen. Einen Überblick über das ganze Thema findest du in unserem Bereich Ohrstöpsel für Motorradfahrer. Wie laut es unter dem Helm wird, erklärt der Beitrag zu den Windgeräuschen beim Motorradfahren.

Warum setzt du erst die Ohrstöpsel ein und dann den Helm?

Mit aufgesetztem Helm kommst du nicht mehr richtig ans Ohr. Du kannst die Ohrmuschel nicht ziehen, nicht sehen, wie tief der Stöpsel sitzt, und er wird beim Hineinschieben unter die Wangenpolster leicht schief gedrückt. Die Reihenfolge ist deshalb immer gleich: Gehörschutz einsetzen, Sitz prüfen, dann den Helm aufsetzen.

Das Einsetzen selbst ist entscheidend für die Schutzwirkung. Die Präventionsleitlinie „Einsatz von Gehörschutzstöpseln“ der DGUV nennt als typische Benutzungsfehler unter anderem ein ungenügend tiefes Einsetzen, ein zu kurzes Festhalten nach dem Einsetzen und eine für den Gehörgang unpassende Größe. Wer das beim Aufsetzen des Helms beachtet, hat die meisten Probleme schon vermieden.

Wie setzt du Ohrstöpsel unter dem Motorradhelm Schritt für Schritt ein?

Diese Anleitung gilt für Stöpsel mit zwei Lamellen, wie den Moto+. Nimm dir beim ersten Mal zu Hause zwei Minuten Zeit, nicht erst an der Tankstelle.

  1. Hände sauber und trocken. Fass die Stöpsel nur mit sauberen, trockenen Händen an, damit kein Schmutz in den Gehörgang gelangt.
  2. Ohrmuschel nach hinten oben ziehen. Greif mit der freien Hand über den Kopf und zieh die Ohrmuschel sanft nach hinten oben. Das begradigt den Gehörgang, die DGUV beschreibt genau diesen Griff.
  3. Konus mit leichter Drehung einsetzen. Der Stöpsel mit den zwei Lamellen wird mit einer leichten Drehbewegung in den Gehörgang geschoben, bis er bequem und ohne Druck sitzt. Nicht mit Gewalt drücken.
  4. Kurz festhalten und loslassen. Halte den Stöpsel einen Moment mit dem Finger, bis er sich angelegt hat, und lass dann die Ohrmuschel los.
  5. Sitz-Check machen. Sprich ein paar Worte: Klingt deine eigene Stimme dumpfer und die Umgebung leiser, sitzt der Stöpsel meist richtig. Mach dasselbe auf der anderen Seite.
  6. Helm vorsichtig aufziehen. Weite den Helm an den Wangenpolstern leicht auf und zieh ihn gerade über den Kopf, ohne an den Ohren entlangzuschleifen. Dann Kinnriemen schließen und noch einmal die Stimme prüfen.

Das Ziehen an der Ohrmuschel und die leichte Drehbewegung beschreibt auch die DGUV Information 212-024 „Gehörschutz in der Praxis“: Stöpsel lassen sich besser einführen, wenn der Gehörgang durch Ziehen am Ohr begradigt wird, und bei Lamellenstöpseln muss mindestens eine Lamelle komplett abdichten.

Woran erkennst du, dass die Ohrstöpsel richtig sitzen?

Ein einfacher Sitz-Check ist deine eigene Stimme. Sitzt der Stöpsel gut im Gehörgang, klingt sie dumpfer, so als würdest du in einem Raum mit dicken Vorhängen sprechen, und die Umgebung wird deutlich leiser. Das ist kein Messwert, sondern nur eine Orientierung. Klingt alles fast wie vorher, sitzt der Stöpsel meist zu flach. Dann nimm ihn heraus und setze ihn noch einmal ein.

Mach den Check zweimal: einmal vor dem Helm und einmal danach. Wenn sich der Klang mit Helm verändert hat, hat sich der Stöpsel beim Aufziehen vermutlich bewegt.

Was tust du, wenn die Ohrstöpsel verrutschen oder herausfallen?

Gehe diese Punkte der Reihe nach durch. In den meisten Fällen findest du die Ursache schon in den ersten beiden.

  • Zu flach eingesetzt. Zieh beim Einsetzen die Ohrmuschel nach hinten oben, dreh den Stöpsel leicht hinein und halte ihn kurz fest.
  • Zu kurz festgehalten. Gib dem Stöpsel einen Moment Zeit, sich im Gehörgang anzulegen, bevor du loslässt.
  • Helm wird zu schnell aufgezogen. Die Wangenpolster schleifen am Ohr entlang. Weite den Helm leicht auf und zieh ihn gerade über den Kopf.
  • Helm wird ruckartig abgenommen. Auch beim Absetzen kann der Stöpsel mitgezogen werden. Nimm den Helm langsam ab.
  • Feuchte oder fettige Ohren. Trockne das Ohr vorher ab und setze den Stöpsel mit sauberen, trockenen Händen ein.
  • Größe passt nicht. Wenn der Stöpsel trotz richtiger Technik wandert, passt er vielleicht nicht zu deinem Gehörgang. Dazu gleich mehr.

Als Tipp für Fahrer mit Sturmhaube oder Skull-Cap: Erst die Stöpsel einsetzen, dann die Mütze über die Ohren ziehen, nicht umgekehrt. Prüfe danach kurz den Sitz, bevor der Helm darauf kommt.

Warum passt der Moto+ unter jeden Helm?

Der Bollsen Moto+ hat keinen Stiel und keinen Griff, der aus dem Ohr ragt. Er sitzt flach im Gehörgang, deshalb kann die Helmpolsterung nichts gegen das Ohr drücken. Der Moto+ besteht aus 2-Lamellen-Medizinsilikon, dämpft passiv mit 24 dB SNR nach EN 352-2 (H 24 / M 21 / L 19, geprüft von der PZT GmbH), ist bis zu 100-mal wiederverwendbar, kommt im Alu-Etui und kostet 26,95 €. Die Dämpfung steigt mit der Frequenz: Wind- und Motorgeräusche werden leiser, wichtige Geräusche bleiben hörbar, nur leiser.

Welche Größe brauchst du, wenn Standardstöpsel nicht sitzen?

Gehörgänge sind sehr verschieden. Passt ein Stöpsel nicht zu deinem Ohr, kann er wandern oder drücken. Der Moto+ mit AR KI TECH vermisst dein Ohr per App und hilft dir so bei der Größenwahl. Er kostet 38,95 €. Vermessen heißt hier: Die App misst, die Form des Stöpsels bleibt gleich. Die Frage „angepasster oder universeller Gehörschutz“ behandeln wir in einem eigenen Beitrag.

Mehr zu den verschiedenen Bauarten findest du außerdem in unserem Vergleich Schaumstoff gegen Filter-Ohrstöpsel beim Motorradfahren. Wie du den Dämmwert einordnest, erklärt der Beitrag zum SNR-Dämmwert für Motorradfahrer.

Ist Gehörschutz auf dem Motorrad erlaubt?

§ 23 StVO Abs. 1 verlangt, dass das Gehör des Fahrzeugführers nicht durch Geräte beeinträchtigt wird. Allgemein wird das so gelesen, dass geeigneter Gehörschutz nicht grundsätzlich ausgeschlossen ist, solange du Warnsignale weiter wahrnehmen kannst. Das ist keine Rechtsberatung. Wichtig ist, dass du den Gehörschutz vor der Fahrt testest und unterwegs auf deine Umgebung achtest: Sirenen und Hupen bleiben hörbar, weil sie laut sind, nur eben leiser.

Auch die Frage „schützt der Helm allein das Gehör“ behandeln wir in einem eigenen Beitrag. Eine Übersicht zu den Grundlagen findest du in unserem Ratgeber zu Gehörschutz fürs Motorrad.

Worauf achtest du bei Hygiene und Beschwerden?

Setze die Ohrstöpsel nur mit sauberen, trockenen Händen ein, reinige sie nach den Herstellerangaben und lass sie vor dem Verstauen trocknen. Die DGUV weist darauf hin, dass Stöpsel regelmäßig gereinigt werden sollten und dass bei Hautreizungen im Gehörgang ein Arzt aufzusuchen ist. Mehr zur Pflege nach der Fahrt steht in Motorrad-Ohrstöpsel reinigen.

Wenn du Schmerzen, Druck oder Juckreiz im Gehörgang spürst, nimm den Stöpsel heraus. Halten die Beschwerden an, lass sie bei einer HNO-Ärztin oder einem HNO-Arzt abklären. Ohrstöpsel sind kein Ersatz für eine ärztliche Untersuchung.

Häufige Fragen zu Ohrstöpseln unter dem Motorradhelm

Häufige Fragen

Ja. Setze die Stöpsel zuerst ein und ziehe die Mütze danach vorsichtig über die Ohren. Prüfe vor der Fahrt, ob der Stöpsel noch tief sitzt, und drücke ihn bei Bedarf mit dem Finger wieder nach.
Mach nach dem Aufsetzen einen kurzen Klangtest: Klingt deine Stimme noch dumpf, sitzt der Stöpsel. Wenn nicht, halte an, nimm den Helm ab und setze ihn neu ein. Während der Fahrt am Helm herumzufummeln ist keine gute Idee.
Die DGUV nennt für Stöpsel, die sich im Gehörgang anlegen müssen, mindestens 10 Sekunden oder die Angabe des Herstellers. Bei fertig geformten Lamellenstöpseln geht es vor allem darum, dass sie tief genug sitzen und eine Lamelle komplett abdichtet.
Die Gehörgänge sind sehr unterschiedlich. Wenn ein Standardstöpsel nicht gut sitzt, kannst du den Moto+ mit AR KI TECH wählen: Die App vermisst dein Ohr und hilft dir bei der Größenwahl. Eine zu große oder zu kleine Größe gehört laut DGUV zu den typischen Benutzungsfehlern.
Mit sauberen, trockenen Händen herausnehmen, nach den Herstellerangaben reinigen, vollständig trocknen lassen und im Etui aufbewahren. So bleiben die Stöpsel sauber und behalten ihre Form.
Wenn du Schmerzen, Juckreiz oder Reizungen im Gehörgang bemerkst, nimmst du den Stöpsel heraus und lässt dich bei anhaltenden Beschwerden von einer HNO-Ärztin oder einem HNO-Arzt untersuchen. Auch bei Hörproblemen oder Ohrgeräuschen ist das der richtige Weg.