Ohrstöpsel beim Tauchen: Warum der Druckausgleich zählt

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Key Takeaways

Nein. Beim Gerätetauchen, Freitauchen und Abtauchen gehören Ohrstöpsel nicht ins Ohr. Sie schließen Luft im Gehörgang ein, die sich nicht ausgleichen lässt, und das kann Trommelfell und Gehörgang schädigen.
Ja. Watersafe+ ist für Schwimmen und Schnorcheln an der Oberfläche gedacht, nicht zum Tauchen. Vor jedem Abtauchen nimmst du Ohrstöpsel heraus.
Das Divers Alert Network (DAN) rät auch von belüfteten Modellen ab und empfiehlt Ohrstöpsel zum Tauchen grundsätzlich nicht. Wer trotzdem über Spezialausrüstung nachdenkt, klärt das vorher mit einer Tauchärztin oder einem Taucharzt bzw. einer HNO-Praxis mit tauchmedizinischer Erfahrung.
Beim Abtauchen steigt der Wasserdruck von außen auf das Trommelfell. Beim Druckausgleich gelangt über die Ohrtrompete (Eustachische Röhre) Luft ins Mittelohr, sodass der Druck innen und außen wieder zusammenpasst.
Bei Ohrenschmerzen, Hörverlust, Schwindel, Ohrgeräuschen oder Ausfluss nach einem Tauchgang gehörst du zeitnah in die HNO-Praxis oder zu einer Tauchärztin bzw. einem Tauchmediziner.
Für Schwimmen und Schnorcheln an der Oberfläche, zum Beispiel zwischen Tauchgängen oder an Tagen ohne Tauchen. Das wasserabweisende Silikon hilft, Wasser aus dem Gehörgang fernzuhalten. Eine Garantie für trockene Ohren gibt es nicht.

Wer das Tauchen gerade lernt oder im Urlaub einen Tauchgang bucht, hat oft schon einmal mit Wasser im Ohr zu tun gehabt und fragt sich, ob Ohrstöpsel die Lösung sind. Die ehrliche Antwort lautet: Unter Wasser nicht. Dieser Artikel erklärt, warum, und was an der Oberfläche trotzdem möglich ist.

Das Divers Alert Network (DAN) formuliert es deutlich: Auch wenn manche Ohrstöpsel für Taucher beworben werden, empfiehlt DAN ihren Einsatz beim Gerätetauchen nicht.

Warum Ohrstöpsel beim Tauchen ein Problem sind

Das Ohr hat zwei Seiten, die beim Tauchen unter Druck geraten: Von außen drückt das Wasser auf das Trommelfell, von innen steht das Mittelohr, das über die Ohrtrompete mit dem Rachen verbunden ist. Durch den Druckausgleich, etwa mit dem Valsalva-Manöver, bringen Taucherinnen und Taucher Luft ins Mittelohr, bis der Druck wieder passt.

Ein Ohrstöpsel verändert diese Rechnung. Er schließt zwischen Stöpsel und Trommelfell einen kleinen Luftraum ein, und diesen Raum kann der Körper nicht ausgleichen. Nach dem Gesetz von Boyle-Mariotte schrumpft die Luft mit steigendem Druck. Der Stöpsel wird tiefer in den Gehörgang gedrückt, und das Trommelfell kann nach außen gezogen werden, während im Mittelohr der Druck steigt. Laut DAN kann das Trommelfell im weiteren Verlauf sogar reißen.

Fachleute nennen druckbedingte Schäden dieser Art Barotrauma. Das MSD-Manual beschreibt, dass bei nicht ausgeglichenem Druck Ohrenschmerzen, Hörverlust und im schlimmsten Fall ein Trommelfellriss auftreten können. Das DAN Europe zählt das Mittelohr-Barotrauma zu den häufigsten Tauchverletzungen, und es lässt sich mit sauberem Druckausgleich meist vermeiden. Genau dieser Ausgleich funktioniert nicht, wenn ein Stöpsel den Gehörgang verschließt.

Und belüftete Ohrstöpsel?

Naheliegend wäre der Gedanke, dass ein Stöpsel mit Belüftungsloch das Problem löst. Das DAN sieht das anders: Durch die Belüftung läuft Wasser in den Gehörgang. Wer die Ohren trocken halten will, erreicht damit also genau das nicht. Eine sichere Lösung ist das nach DAN-Einschätzung nicht. Bollsen empfiehlt deshalb weder belüftete Modelle noch bestimmte Marken fürs Tauchen.

Wer aus medizinischen Gründen, etwa nach einer Ohr-Operation oder mit einem vorgeschädigten Trommelfell, über Ohrschutz beim Tauchen nachdenkt, klärt das vorher mit einer Tauchärztin, einem Tauchmediziner oder einer HNO-Praxis mit tauchmedizinischer Erfahrung. Allgemeine Informationen zum Thema findest du auch in unserem Beitrag zu einem perforierten Trommelfell.

Was heißt das für Freitauchen und Abtauchen im Schwimmbad?

Die Physik ist dieselbe: Sobald du abtauchst, ändert sich der Wasserdruck, und ein Stöpsel schließt Luft ein, die sich nicht ausgleichen lässt. Das gilt für Flaschentauchen genauso wie für Freitauchen, Tieftauch-Übungen im Pool oder das Abtauchen nach einem Gegenstand. Ohrstöpsel nimmst du vor jedem Abtauchen heraus.

Wo Watersafe+ trotzdem Sinn ergibt

An der Wasseroberfläche ändert sich der Druck nicht. Das DAN schreibt, dass Ohrstöpsel beim Schwimmen und bei anderen Oberflächenaktivitäten keine wahrscheinlichen Folgen haben. Wer vor oder nach dem Tauchen schwimmt oder schnorchelt, kann wasserabweisende Ohrstöpsel tragen. Wie das beim Schnorcheln aussieht, steht im Beitrag Ohrstöpsel zum Schnorcheln, und für das normale Schwimmen im Becken lohnt sich der Blick auf Sind Ohrstöpsel zum Schwimmen sicher?. Wenn Ohrstöpsel beim Schwimmen herausrutschen, hilft der Beitrag Ohrstöpsel, die beim Schwimmen nicht rausfallen.

Watersafe+ ist wasserabweisend und hilft, Wasser aus dem Gehörgang fernzuhalten. Ein Versprechen auf völlig trockene Ohren ist das nicht. Wichtig: Watersafe+ ist nicht zum Tauchen gedacht, sondern für Schwimmen und Schnorcheln an der Oberfläche. Vor jedem Abtauchen herausnehmen.

Wann zum Arzt?

Ohrenschmerzen, nachlassendes Gehör, Schwindel, Ohrgeräusche oder Ausfluss nach einem Tauchgang solltest du nicht abwarten. Dann gehört das zeitnah in die HNO-Praxis oder zu einer Tauchärztin oder einem Tauchmediziner, am besten mit dem Hinweis, dass du getaucht bist. Eigene Behandlungsversuche am Ohr sind keine gute Idee.

Einen Überblick über alle Beiträge rund um Wasser und Gehörschutz findest du in unserer Themenseite Ohrstöpsel für Wasser. Wer mit Tinnitus schwimmt, findet in unserem Beitrag zum Schwimmen mit Tinnitus passende Hinweise.