⏱️ Geschätzte Lesezeit: 11 Min.
- Wann braucht man in Industrie und Produktion Gehörschutz?
- Wie laut ist es in der Halle, und welcher Pegel gilt für mich?
- Welche Dämmung ist richtig, und was ist mit Überprotektion?
- Wie trägt man Gehörschutz 8 bis 12 Stunden, ohne dass er stört?
- Welche Rolle spielen Hygiene und Lebensmittelindustrie?
- Lager, Logistik und Stapler: worauf kommt es an?
- Welche Bollsen-Variante passt zu Ihrer Schicht?
- Was bedeutet das für Ihren Arbeitsalltag?
Das Wichtigste in Kürze
Acht bis zwölf Stunden Schicht in einer Halle mit Dauerlärm stellen andere Anforderungen an Gehörschutz als ein kurzer Einsatz mit der Bohrmaschine. Es geht um Tragekomfort, Hygiene, den richtigen Sitz und darum, dass der Gehörschutz wirklich die ganze Zeit im Ohr bleibt. Dieser Ratgeber zeigt, worauf es in Industrie und Produktion ankommt, auch in Lebensmittelbetrieben, Lager und Logistik. Einen Gesamtüberblick finden Sie unter Ohrstöpsel für die Arbeit.
Die Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung in Ihrem Betrieb gehen immer vor. Dieser Text ersetzt weder sie noch die Beratung durch Ihre Fachkraft für Arbeitssicherheit oder Ihre Betriebsärztin.
Wann braucht man in Industrie und Produktion Gehörschutz?
Die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung kennt zwei Schwellen. Ab einem Tages-Lärmexpositionspegel von 80 dB(A) beziehungsweise 135 dB(C) Spitzenschalldruckpegel muss der Arbeitgeber geeigneten Gehörschutz anbieten. Ab 85 dB(A) beziehungsweise 137 dB(C) muss er bestimmungsgemäß verwendet werden, und der Bereich ist als Lärmbereich zu kennzeichnen. Hinter dem Gehörschutz dürfen höchstens 85 dB(A) beziehungsweise 137 dB(C) ankommen, so fasst es das Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA) zusammen. Nach Angaben des IFA ist in Deutschland für vier bis fünf Millionen Beschäftigte ein gesundheitsgefährdender Lärm am Arbeitsplatz Realität.
Wichtig: Gehörschutz steht in der Rangfolge der Maßnahmen ganz hinten. Zuerst gehören Lärmminderung an der Quelle, technische und organisatorische Maßnahmen. Das ist keine Kür, sondern Pflicht des Arbeitgebers. Welche Rechte und Pflichten sich daraus im Einzelnen ergeben, erklärt der Beitrag LärmVibrationsArbSchV einfach erklärt. Das ist keine Rechtsberatung.
Wie laut ist es in der Halle, und welcher Pegel gilt für mich?
Pauschale Hallenpegel helfen wenig, denn jede Anlage klingt anders. Maßgeblich ist der gemessene Pegel an Ihrem Arbeitsplatz. Einen Überblick über typische Werte einzelner Geräte finden Sie in der Dezibel-Tabelle für Werkzeuge und Maschinen. Für die Auswahl zählt zusätzlich, welche Frequenzen dominieren. Die BGN nennt für Lebensmittelbetriebe als Beispiel hoch- bis mittelfrequente Geräusche bei Getränkeabfüllanlagen, Hydraulikpumpen, Druckluftdüsen und Zentrifugen. Tieffrequent sind demnach etwa Kompressoren, Vakuumpumpen, Dieselmotoren und langsam laufende Mühlen.
Für hoch- bis mittelfrequenten Lärm rechnen Sie mit dem M-Wert, für tieffrequenten mit dem L-Wert des Gehörschutzes. Wie viel Dämmung Sie grundsätzlich brauchen, hilft Ihnen die Frage wie viel Gehörschutz brauche ich einzuordnen.
Welche Dämmung ist richtig, und was ist mit Überprotektion?
Mehr Dämmung ist nicht automatisch besser. Nach der BGN-Auswahlhilfe gilt ein Restpegel von 70 bis 80 dB(A) hinter dem Gehörschutz als empfehlenswert. Liegt er unter 70 dB(A), können Verständigungsprobleme und ein Gefühl der Isolation entstehen. Ein Restpegel über 85 dB(A) ist nicht zulässig.
Ein Rechenbeispiel, nur zur Veranschaulichung: Ihr Arbeitsplatz liegt bei einem gleichbleibenden Pegel von 90 dB(A), das Geräusch ist hoch- bis mittelfrequent. Der M-Wert des Gehörschutzes beträgt 21 dB, der Praxisabschlag für mehrfach verwendbare Stöpsel 5 dB. Rechnung: 90 minus 21 plus 5 ergibt 74 dB(A) und damit einen Wert im empfohlenen Bereich. Bei tieffrequentem Lärm würden Sie mit dem L-Wert rechnen, bei anderen Pegeln fällt das Ergebnis anders aus.
Ein passender Kandidat für viele Hallen ist der WorkPRO (SNR 24 dB, 26,95 €): SNR 24 dB, H 24 dB, M 21 dB, L 19 dB nach EN 352-2 (geprüft von der PZT GmbH), hypoallergenes Silikon, gelbes, flach bauendes Stöpselpaar mit patentiertem Design. Der WorkPRO dämmt passiv, alles wird rund 24 dB leiser, hohe Frequenzen etwas stärker als tiefe. Ob er für Ihren Pegel ausreicht, zeigt die Rechnung mit Ihrem Messwert.
Wie trägt man Gehörschutz 8 bis 12 Stunden, ohne dass er stört?
Die BGN fordert, dass Gehörschutz im Lärmbereich die gesamte Zeit konsequent getragen wird, denn selbst kleine Unterbrechungen können den Schutzeffekt zunichtemachen. Zugleich nennt die BGN fertig geformte Stöpsel und Stöpsel zum Formen grundsätzlich geeignet für das Tragen während der gesamten Arbeitszeit, auch zusammen mit Brille, Helm oder weiterer Schutzausrüstung.
Damit das im Alltag klappt, helfen vier Dinge. Erstens der richtige Sitz und die richtige Größe, denn jeder Gehörgang ist anders. Zweitens saubere Hände beim Einsetzen, besonders bei Stöpseln ohne Griff. Drittens eine Tragepause im Ruhebereich, nicht an der Maschine. Viertens eine ehrliche Rückmeldung an Ihren Betrieb, wenn etwas drückt, juckt oder schmerzt. Das ist ein Fall für Ihre Betriebsärztin oder Ihren Betriebsarzt, nicht für Durchhalten.
Wie Sie Stöpsel korrekt platzieren, behandelt der Ratgeber Ohrstöpsel richtig einsetzen. Die Frage, was besser zu Ihrem Arbeitsplatz passt, klärt der Vergleich Kapselgehörschutz oder Ohrstöpsel bei der Arbeit. Gerade in Betrieben mit Schichtbetrieb lohnt eine kurze Anprobe mehrerer Modelle vor der Beschaffung, auch das empfiehlt die BGN, um die Trageakzeptanz zu erhöhen.
Wer nach einer Nachtschicht tagsüber schlafen muss, hat ein anderes Thema. Dazu finden Sie Hinweise unter Ohrstöpsel für Schichtarbeiter. Wenn Sie in einer Werkstatt arbeiten, lesen Sie Gehörschutz für Werkstatt und Handwerk.
Welche Rolle spielen Hygiene und Lebensmittelindustrie?
In Lebensmittelbetrieben gelten zusätzliche Regeln für Hygiene und Fremdkörper. Fertig geformte Stöpsel sind laut BGN gut zu reinigen und deshalb für den mehrmaligen Gebrauch geeignet. Stöpsel ohne Griff sollten Sie nur mit gereinigten Händen einsetzen. Beachten Sie außerdem die Hinweise in den Produktunterlagen zur Reinigung.
Manche Betriebe schreiben metalldetektierbaren Gehörschutz vor, damit ein verlorener Stöpsel an der Anlage auffällt. Solche Produkte gibt es als eigene Kategorie. Bollsen hat aktuell keinen metalldetektierbaren Gehörschutz im Sortiment. Wenn Ihr Betrieb das verlangt, ist der WorkPRO dafür keine Lösung, und die Beschaffung sollten Sie mit der Qualitätssicherung abstimmen.
Lager, Logistik und Stapler: worauf kommt es an?
In Lager und Logistik ist der Lärm oft unregelmäßig, mit ruhigen Phasen und lauten Momenten. Gleichzeitig kommt es auf Warnsignale an, etwa Staplerhupen. Hier liegt die Falle der Überprotektion: Wer so stark dämmt, dass der Restpegel deutlich unter 70 dB(A) sinkt, nimmt Signale und Kollegen schlechter wahr.
Ehrlich ist diese Einordnung: Alles wird mit einem passiven Stöpsel leiser, auch Hupen und Zurufe. Eine Hupe bleibt hörbar, weil sie laut ist, nicht weil ein Filter sie durchlässt. Das IFA führt in seiner Positivliste ein Zusatzkennzeichen W für Gehörschutz, bei dem Warnsignale, informationshaltige Geräusche und Sprachverständlichkeit nach den Prüfkriterien erfüllt sind. Ob das für Ihren Arbeitsplatz gilt, entscheidet eine individuelle Hörprobe zusammen mit Ihrer Fachkraft für Arbeitssicherheit. Warnsignale zu überhören kann die Unfallgefahr erhöhen, wie auch die BGHM betont.
Wenn Sie als Betrieb ein ganzes Team ausstatten möchten, finden Sie hier die Staffelpreise für Betriebe.
Welche Bollsen-Variante passt zu Ihrer Schicht?
Der WorkPRO ist das Standardmodell für den Arbeitsplatz: SNR 24 dB, EN 352-2, hypoallergenes Silikon, flach bauend, 26,95 €. Der WorkPRO mit AR KI TECH wird per App vermessen und kostet 38,95 €. Beide dämmen passiv. Bei Impulslärm oder sehr hohen Pegeln reichen Stöpsel allein möglicherweise nicht, dann sind geprüfte Kombinationen gefragt.
Was bedeutet das für Ihren Arbeitsalltag?
Gehörschutz begrenzt die Lärmdosis, einen bekannten Risikofaktor für Lärmschwerhörigkeit. Die BGHM zählt sie zu den häufigsten anerkannten Berufskrankheiten. Wirksam ist er aber nur, wenn er passt, sauber ist und die ganze Zeit im Lärmbereich getragen wird. Sprechen Sie mit Ihrer Fachkraft für Arbeitssicherheit über Pegel und Auswahl und mit Ihrer Betriebsärztin über Beschwerden.
Häufige Fragen zum Gehörschutz in der Produktion
- Doppelter Gehörschutz: Wann Sie Ohrstöpsel und Kapselgehörschutz zusammen brauchen - 1. Oktober 2026
- Gehörschutz für Rasenmäher, Laubbläser und Gartenarbeit: Wie laut ist Ihr Gartengerät? - 29. September 2026
- Gehörschutz reinigen und hygienisch nutzen: Staub, Schweiß und Wechselintervalle am Arbeitsplatz - 28. September 2026

