Gehörschutz für Werkstatt und Handwerk: Was Schreiner und Tischler an Kreissäge, Hobel und Winkelschleifer brauchen

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Das Wichtigste in Kürze

Nach dem IFA liegen herkömmliche Kreissägeblätter beim Sägen von Holz bei 85 bis 90 dB(A), bei Kunststoff und Metall über 95 dB(A). Für den Winkelschleifer nennt der IFA Report 4/2012 beim Metall im Mittel 96,4 dB(A) (Spanne 92,0 bis 100,5, 15 Messungen).

Das hängt von der Rechnung ab, nicht vom Gerät. Bei 90 dB(A) bleiben mit einem fertig geformten Stöpsel (M 21 dB, Praxisabschlag 5 dB) rund 74 dB(A) am Ohr, bei 100 dB(A) schon 84 dB(A). Am oberen Rand gibt es kaum Reserve.

Beides kann passen. Die BG BAU empfiehlt Stöpsel bei andauerndem Lärm und zur Schutzbrille, Kapseln bei häufigem Auf- und Absetzen.

Die Physik ja, die Pflichten nein. Das Arbeitsschutzrecht gilt für Beschäftigte, Ihr Gehör reagiert zu Hause aber nicht anders auf dieselben Pegel.

Eine Werkstatt ist selten dauerhaft laut. Kreissäge, Hobel und Winkelschleifer laufen in Schüben, dazwischen wird gemessen, angezeichnet und aufgeräumt. Dazu kommen Staub, Späne und die Schutzbrille. Genau deshalb fällt die Wahl des Gehörschutzes hier anders aus als in der Halle oder auf der Baustelle. Dieser Ratgeber zeigt, welche Pegel Sie realistisch erwarten dürfen, wie Sie den Gehörschutz dazu ausrechnen und worauf Schreiner, Tischler, Metallbauer und Kfz-Profis achten. Den Gesamtüberblick finden Sie bei Ohrstöpsel für die Arbeit.

Wie laut ist es in der Werkstatt wirklich?

Die verlässlichsten Zahlen stammen aus Messungen, nicht aus Datenblättern. Das IFA der DGUV nennt in seinem Fachbeitrag (IFA zu lärmarmen Sägeblättern) für herkömmliche Kreissägeblätter Pegel von 85 bis 90 dB(A) beim Sägen von Holz und von mehr als 95 dB(A) beim Sägen von Kunststoff und Metall. Der IFA Report 4/2012 führt für das Bedienen eines Winkelschleifers an Metall 15 Messungen mit einer Spanne von 92,0 bis 100,5 dB(A) und einem Mittelwert von 96,4 dB(A) auf. Beim Trennen von Betonplatten mit Standard-Trennscheiben misst das IFA-Projekt 4214 sogar 106 bis 108 dB(A).

Für Hobel und Druckluft nennen wir keine Zahl. Wir haben dazu keine Messung gelesen, die wir sauber zitieren könnten, und raten lieber zur Messung im eigenen Betrieb. Die weiteren Werkzeugwerte finden Sie in unserer Dezibel-Tabelle für Werkzeuge und Maschinen.

Warum zählen schon 3 dB mehr so stark?

Drei Dezibel bedeuten die doppelte Schallenergie. Das IFA beschreibt, dass eine Minderung um 3 dB bereits eine Halbierung der Schallenergie darstellt. Für Ihren Arbeitstag heißt das: Zwischen 85 und 90 dB(A) an der Holzsäge liegt rechnerisch mehr als ein Faktor drei, nicht nur ein paar Dezibel. Die genannten Werte sind Messbeispiele mit Spannweite: Holzart, Sägeblatt, Vorschub und Raum verändern den Pegel, und die Tagesdosis hängt davon ab, wie lange pro Schicht tatsächlich gesägt wird.

Was verlangt das Gesetz in der Werkstatt?

Nach § 6 der LärmVibrationsArbSchV liegen die unteren Auslösewerte bei 80 dB(A) und 135 dB(C), die oberen bei 85 dB(A) und 137 dB(C). Ab 80 dB(A) muss der Arbeitgeber geeigneten Gehörschutz zur Verfügung stellen, ab 85 dB(A) müssen Sie ihn tragen, und der Bereich ist als Lärmbereich zu kennzeichnen. Unter dem Gehörschutz dürfen höchstens 85 dB(A) beziehungsweise 137 dB(C) ankommen, angestrebt werden 70 bis 80 dB(A) (Handlungshilfe Lärm der BG BAU). Das ist eine Orientierung und keine Rechtsberatung. Verbindlich ist die Gefährdungsbeurteilung Ihres Betriebs. Was daraus für Betriebe folgt, lesen Sie in den Pflichten des Arbeitgebers beim Gehörschutz.

Wie rechne ich den Gehörschutz für Kreissäge und Winkelschleifer aus?

Die Faustformel der DGUV lautet: Pegel minus (Dämmwert minus Praxisabschlag) ergibt den Pegel am Ohr. Der Praxisabschlag beträgt laut BG BAU 5 dB bei fertig geformten Stöpseln und Kapselgehörschützern und 9 dB bei vor Gebrauch zu formenden Stöpseln. Bei mittel- bis hochfrequentem Lärm nehmen Sie den M-Wert, bei tieffrequentem den L-Wert. Die ausführliche Methode erklären wir in Wie viel Gehörschutz Sie brauchen.

Ein Rechenbeispiel mit einem fertig geformten Stöpsel (M 21 dB, Praxisabschlag 5 dB, also 16 dB wirksam), unter der Annahme, dass der Lärm mittel- bis hochfrequent ist:

Holzsäge bei 85 dB(A): 85 minus 16 gleich 69 dB(A). Das liegt knapp unter dem Zielband, hier sollte auf Überprotektion geachtet werden. Holzsäge bei 90 dB(A): 74 dB(A), im Zielband. Kunststoff oder Metall bei 96 dB(A): 80 dB(A), am oberen Rand des empfehlenswerten Bereichs. Winkelschleifer an Metall im Mittel 96,4 dB(A): rund 80 dB(A). Bei 100,5 dB(A), dem Höchstwert der Messreihe, bleiben 84,5 dB(A) am Ohr, zulässig, aber mit kaum Reserve.

Beim Trennen von Beton mit 106 bis 108 dB(A) ergeben sich 90 bis 92 dB(A) am Ohr. Das ist nicht zulässig. Ein einzelner Stöpsel reicht dort nicht, hier kommt doppelter Gehörschutz mit Stöpsel und Kapsel infrage, abgestimmt mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit. Der Satz „SNR 24 reicht an jeder Kreissäge“ gilt also nicht pauschal, er hängt am Pegel, an der Frequenz und an der Tragedauer.

Was brauchen Schreiner und Tischler im Alltag?

In der Tischlerei laufen Maschinen selten acht Stunden am Stück. Typisch sind kurze, laute Schnitte, dazwischen Gespräche mit Kollegen und Kunden, Messen und Anzeichnen. Wer den Gehörschutz bei jeder Pause herausnimmt und danach vergisst, schützt sich schlechter als gedacht, denn jede Minute ohne Gehörschutz geht in die Tagesdosis ein. Praktisch heißt das: Entscheiden Sie sich für eine Bauform, die Sie auch wirklich den ganzen Tag tragen, und prüfen Sie den Sitz bei jedem Einsetzen. Für Betriebe mit mehreren Maschinenplätzen lohnt eine Messung je Arbeitsplatz, weil Hobelmaschine, Formatkreissäge und Absaugung sehr unterschiedlich zur Tagesdosis beitragen.

Stöpsel, Kapsel oder Bügel: Was passt zum Wechsel aus laut und leise?

Laut BG BAU sind Kapselgehörschützer zu empfehlen bei häufigem Auf- und Absetzen. Das trifft die Werkstatt, in der zwischen zwei Schnitten gesprochen wird. Stöpsel empfiehlt sie bei andauernder Lärmeinwirkung, bei starker Schweißbildung unter Kapseln und beim gleichzeitigen Tragen von Gehörschutz und Brille oder Schutzbrille. Wer sich zwischen den Bauformen entscheiden will, findet den Vergleich in Kapselgehörschutz oder Ohrstöpsel.

Der Staub in der Holzwerkstatt spricht zusätzlich für glatte, wiederverwendbare Silikonstöpsel, weil sich Späne und Schmutz leichter entfernen lassen als bei Schaumstoff. Wie Sie Gehörschutz reinigen, hängt vom Material ab, wir beschreiben das im eigenen Beitrag. Entscheidend bleibt der Sitz, dazu hilft die Anleitung Ohrstöpsel richtig einsetzen.

Was gilt für Metall, Schweißer und Kfz-Werkstatt?

Beim Schleifen und Trennen von Metall bestimmt der Winkelschleifer den Tag. Für Schweißer kommen Schutzbrille und Helm dazu: Ein flacher Stöpsel steht nicht über, ein Kapselbügel kann dagegen mit Helmgurten kollidieren. In der Kfz-Werkstatt wechseln Druckluft, Schleifen und Motorlauf. Für beide Gewerke gilt dieselbe Rechnung wie oben, nur mit dem Pegel vor Ort. Hohe Pegel an der Oberkante sprechen auch hier für die Kombination aus Stöpsel und Kapsel.

Welcher Stöpsel passt zur Werkstatt?

Der WorkPRO ist ein passiver, wiederverwendbarer Gehörschutzstöpsel mit 24 dB SNR (EN 352-2, H 24 / M 21 / L 19, geprüft bei der PZT GmbH). Er besteht aus hypoallergenem Silikon, ist gelb, baut flach, hat ein patentiertes Design und kostet 26,95 €. Passiv heißt: Alles wird rund 24 dB leiser, die Dämmung steigt mit der Frequenz, und ein lautes Warnsignal bleibt hörbar, weil es laut ist, nicht weil ein Filter es durchlässt. Er passt außerdem unter Kapselgehörschutz, falls bei sehr hohen Pegeln doppelt geschützt werden muss.

Der WorkPRO mit AR KI TECH Ohrmessung wird per App vermessen und kostet 38,95 €. Gehörschutz ist die letzte Stufe der STOP-Rangfolge, nach Substitution sowie technischen und organisatorischen Maßnahmen, und ersetzt diese nicht. Lärmarme Sägeblätter bringen laut IFA je nach Material und Säge bis zu etwa 6 bis 13 dB(A) weniger.

Und in der privaten Heimwerkstatt?

Privat gibt es keine Auslösewerte, die Physik bleibt dieselbe. Eine Stunde Kreissäge in der Garage belastet das Gehör mit denselben Pegeln wie in der Tischlerei, nur seltener. Wer sich an der Rechnung oben orientiert und Stöpsel oder Kapsel trägt, schützt sich auch ohne Vorschrift. Wer zwischen Werkstatt und Baustelle wechselt, findet weitere Praxishinweise im Beitrag Gehörschutz auf der Baustelle.

Warum den Lärm ernst nehmen, auch wenn er nicht laut genug wirkt?

Mit rund 6.500 neuen bestätigten Fällen pro Jahr ist Lärmschwerhörigkeit nach Angaben der BG BAU die zweithäufigste Berufskrankheit in Deutschland (Stand der Handlungshilfe Lärm der BG BAU: März 2019). Gehörschutz begrenzt die Lärmdosis, einen bekannten Risikofaktor. Bei Fragen zum eigenen Gehör sind die Betriebsärztin, der Betriebsarzt oder die HNO-Praxis die richtige Adresse.

Für Betriebe, die mehrere Mitarbeitende ausstatten, gibt es Staffelpreise für Betriebe.

Häufige Fragen

Das richtet sich nach Pegel, Tragedauer und dem Wechsel zwischen lauten und ruhigen Phasen. Wer den Gehörschutz oft absetzt, greift eher zur Kapsel, wer lange am Stück sägt oder eine Schutzbrille trägt, eher zum Stöpsel. Die Rechenlogik steht im Beitrag zur Frage, wie viel Gehörschutz Sie brauchen.

Als Beschäftigter müssen Sie ihn ab 85 dB(A) tragen, der Arbeitgeber muss ihn ab 80 dB(A) zur Verfügung stellen. Ob Ihr Arbeitsplatz diese Werte erreicht, klärt die Gefährdungsbeurteilung. Das Nichttragen kann arbeitsrechtliche Folgen haben, eine Rechtsberatung ist das hier nicht.

Die BG BAU empfiehlt Stöpsel ausdrücklich beim gleichzeitigen Tragen von Gehörschutz und Brille oder Schutzbrille. Ein flacher Stöpsel steht nicht über und kollidiert nicht mit Bügeln oder Helmgurten.

Prüfen Sie sie vor jedem Einsatz auf Risse, Verformung und Schmutz. Wie Sie Gehörschutz reinigen, hängt vom Material ab, Silikon ist glatt und lässt sich besser säubern als Schaumstoff.

Beim Schleifen von Metall liegt der Mittelwert nach IFA bei 96,4 dB(A). Mit einem Stöpsel der Dämmung M 21 dB und 5 dB Praxisabschlag landen Sie rechnerisch bei rund 80 dB(A) am Ohr, an der Oberkante der Spanne knapp unter 85 dB(A). Dann ist die Reserve klein, und die Fachkraft für Arbeitssicherheit sollte mitrechnen.