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- Welcher Gehörschutz passt für laute Bauarbeiten?
- Wie laut ist es in welchem Gewerk, und was bleibt am Ohr?
- Was gilt für Impulslärm, Abbruch und besonders laute Arbeiten?
- Wann ist Gehörschutz auf der Baustelle Pflicht?
- Wie kombinieren Sie Gehörschutz mit Helm, Brille und Staubmaske?
- Was ändert sich bei Hitze, Staub und Schweiß?
- Was ist mit der BG BAU, Prämien und Otoplastik?
- Welche Gewerke und Arbeitsplätze gibt es sonst noch?
- Häufige Fragen zum Gehörschutz auf der Baustelle
Das Wichtigste in Kürze
Bohrhammer, Winkelschleifer, Kreissäge, Rüttelplatte: Auf der Baustelle ist Lärm kein Ausnahmezustand, sondern Arbeitsalltag. Laut der BG-BAU-Handlungshilfe zum Thema (Stand März 2019) sind mehr als fünf Millionen Menschen am Arbeitsplatz Gehör schädigendem Lärm ausgesetzt. Mit rund 6.500 neuen bestätigten Fällen pro Jahr ist Lärmschwerhörigkeit die zweithäufigste Berufskrankheit in Deutschland, und die BG BAU erkennt allein rund 1.500 Fälle jährlich an. Gehörschutz begrenzt die Lärmdosis, die über eine Schicht ins Ohr gelangt, und senkt damit ein bekanntes Risiko. Mehr zum Gesamtbild finden Sie in unserem Überblick zu Ohrstöpsel für die Arbeit.
Dieser Ratgeber zeigt, welcher Gehörschutz zu welchem Gewerk passt, was das deutsche Recht verlangt, wie Sie Gehörschutz mit Helm, Brille und Staubmaske kombinieren und worauf es bei Hitze und Staub ankommt. Alle Pegel stammen aus den Veröffentlichungen der BG BAU und des IFA, nicht aus Herstellerprospekten.
Welcher Gehörschutz passt für laute Bauarbeiten?
Die kurze Antwort: der, dessen Dämmung zum Pegel Ihrer Tätigkeit passt. Die BG BAU gibt als Ziel einen Restschallpegel von 70 bis 80 dB(A) unter dem Gehörschutz vor. Das Merkblatt E 609 der BG BAU beschreibt den Weg dorthin in drei Schritten: Schallquelle in dB(A) ermitteln, die Dämmwerte des Gehörschutzes aus der Herstellerinformation nehmen und beides miteinander verrechnen. Beim konkreten Gehörschutz zählen dabei der Einzahlwert SNR sowie die H-, M- und L-Werte für hohe, mittlere und tiefe Frequenzen. Etwa 85 % aller Geräusche am Arbeitsplatz sind laut BG BAU mittel- bis hochfrequent (zum Beispiel Kreissägen), etwa 15 % tieffrequent (zum Beispiel Bagger oder Bodenverdichter).
Der WorkPRO (SNR 24 dB, 26,95 €) ist ein passiver Gehörschutzstöpsel nach EN 352-2 (geprüft von der PZT GmbH) mit H 24 / M 21 / L 19. Er besteht aus hypoallergenem Silikon, ist gelb, baut flach und hat ein patentiertes Design. Er dämmt nicht selektiv: Alles wird um rund 24 dB leiser. Ein lautes Warnsignal bleibt hörbar, weil es laut ist, nicht weil ein Filter es durchlässt. Die Variante mit AR KI TECH Ohrmessung (38,95 €) wird per App vermessen und steht ebenfalls bereit.
Welcher Gehörschutz für Ihren Betrieb der richtige ist, hängt außerdem von Tragedauer und Einsatz ab. Eine Entscheidungshilfe finden Sie im Beitrag welcher Gehörschutz für die Arbeit der beste ist.
Wie laut ist es in welchem Gewerk, und was bleibt am Ohr?
Auf der Baustelle schwankt der Pegel von Tätigkeit zu Tätigkeit stark. Die BG BAU hat gemeinsam mit dem Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA) Tages-Lärmexpositionspegel für typische Gewerke zusammengestellt. Das ist der über die Schicht gemittelte Pegel, nicht der Spitzenwert einer einzelnen Maschine. Die Spalte rechts zeigt ein Rechenbeispiel nach dem Schema der BG BAU: Pegel plus 5 dB Praxisabschlag für wiederverwendbare Stöpsel, minus 24 dB SNR.
Für einzelne Maschinen finden Sie die typischen Pegel in unserer Dezibel-Tabelle für Werkzeuge und Maschinen.
| Gewerk auf der Baustelle | Tages-Lärmexpositionspegel | Orientierung mit WorkPRO (SNR 24 dB) |
|---|---|---|
| Maurer (Maurer-, Schalungs-, Bewehrungs-, Beton-, Putzarbeiten) | 86 dB(A) | rechnerisch rund 67 dB(A) am Ohr, unter dem Zielbereich |
| Dachdecker | 87 dB(A) | rechnerisch rund 68 dB(A) am Ohr, unter dem Zielbereich |
| Trockenbauer | 88 dB(A) | rechnerisch rund 69 dB(A) am Ohr, unter dem Zielbereich |
| Bauhilfsarbeiter, Bauhelfer | 89 dB(A) | rechnerisch rund 70 dB(A) am Ohr |
| Zimmerer | 91 dB(A) | rechnerisch rund 72 dB(A) am Ohr |
| Spezialtiefbauer | 92 dB(A) | rechnerisch rund 73 dB(A) am Ohr |
| Gleisbauer | 94 dB(A) | rechnerisch rund 75 dB(A) am Ohr |
| Kanalbauer | 95 dB(A) | rechnerisch rund 76 dB(A) am Ohr |
| Bauwerksmechaniker für Abbruch (Bohren und Sägen von Beton) | 97 dB(A) | rechnerisch rund 78 dB(A) am Ohr |
| Korrosionsschützer | 100 dB(A) | rechnerisch rund 81 dB(A) am Ohr |
| Leitplankenbauer | 101 dB(A) | rechnerisch rund 82 dB(A) am Ohr |
Lesen Sie die Tabelle als Orientierung, nicht als Freigabe. Der SNR ist ein Einzahlwert, maßgeblich für die Auswahl sind die H-, M- und L-Werte und die Gefährdungsbeurteilung Ihres Betriebs. Die BG BAU weist ausdrücklich darauf hin, dass die Werte nur der Abschätzung dienen und je nach Arbeitsverfahren abweichen können. Liegt der rechnerische Restpegel unter 70 dB(A), ist die Dämmung höher als nötig. Das BG-BAU-Merkblatt warnt, dass Richtungshören und die Wahrnehmung von Signaltönen mit Gehörschutz eingeschränkt sein können.
Wie Sie Dämmwert, Praxisabschlag und Restpegel selbst einordnen, erklärt der Beitrag wie viel Gehörschutz brauche ich.
Was gilt für Impulslärm, Abbruch und besonders laute Arbeiten?
Hier lohnt sich Genauigkeit. Neben dem Tagespegel gibt es den Spitzenschalldruckpegel LpC,peak, also den höchsten momentanen Pegel. Die Auslösewerte liegen bei 135 dB(C) und 137 dB(C). Laut BG BAU genügt schon ein einmaliges Überschreiten in einer Schicht, damit die Schutzmaßnahmen greifen müssen. Die BG BAU nennt Bolzensetz- und Nagelgeräte, Rammarbeiten und Abbrucharbeiten mit Abbau- und Bohrhämmern ausdrücklich als Verfahren, bei denen die oberen Auslösewerte erfahrungsgemäß überschritten werden können.
Impulslärm braucht eine gesonderte Beurteilung, oft Kapselgehörschutz oder Kombination. Ein einzelner Stöpsel mit einem Einzahlwert lässt sich dafür nicht pauschal freigeben, und wir nennen deshalb bewusst keinen Wert für Nagler oder Bolzensetzgerät. Auch bei Dauerlärm gibt es eine Grenze: Rechnerisch reicht ein Stöpsel mit 24 dB nach dem BG-BAU-Schema nur bis etwa 104 dB(A). Darüber liegt der Restpegel über dem Zielbereich, und die Praxis verlangt Kapsel oder Kombination. Der WorkPRO baut flach und lässt sich deshalb unter Kapselgehörschutz tragen. Mehr zur Kombination steht in unserem Beitrag zum doppelten Gehörschutz.
Wann ist Gehörschutz auf der Baustelle Pflicht?
Die rechtliche Grundlage ist die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV). Sie kennt zwei Auslösewerte, die Sie immer zusammen nennen sollten: ab 80 dB(A) Tages-Lärmexpositionspegel oder 135 dB(C) Spitzenpegel stellt der Arbeitgeber geeigneten Gehörschutz bereit. Ab 85 dB(A) oder 137 dB(C) ist das Tragen Pflicht, und die Bereiche werden als Lärmbereiche gekennzeichnet. Unter dem Gehörschutz darf der Pegel am Ohr 85 dB(A) beziehungsweise 137 dB(C) nicht überschreiten. Einen ausführlichen Überblick gibt der Beitrag LärmVibrationsArbSchV einfach erklärt.
Wichtig für die Einordnung: Gehörschutz ist die letzte Stufe der Schutzmaßnahmen. Zuerst stehen leisere Verfahren, lärmgeminderte Maschinen und organisatorische Maßnahmen. Ein Produkt allein erfüllt deshalb keine Pflicht, auch nicht der WorkPRO. Die Verantwortung für Gefährdungsbeurteilung, Auswahl und Unterweisung trägt der Arbeitgeber. Das ist keine Rechtsberatung.
Die BG BAU beschreibt in ihrer Handlungshilfe Lärm in der Bauwirtschaft auch, was bei Erreichen der Auslösewerte folgt: Unterweisung, arbeitsmedizinische Vorsorge und ab dem oberen Auslösewert ein Lärmminderungsprogramm. Auf Baustellen wandert der Lärm mit der Maschine. Kann der Pegel von 85 dB(A) überschritten werden, sind Lärmbereiche zu kennzeichnen und, wenn technisch möglich, abzugrenzen. Ein Gebotszeichen M03 an einem Gerät bedeutet: Gehörschutz auch bei kurzer Tätigkeit. Auch wer selbst nicht lärmintensiv arbeitet, aber in der Nähe, ist gefährdet. Wie Sie solche Bereiche kennzeichnen, behandeln wir in einem eigenen Beitrag zur Lärmbereichskennzeichnung.
Wie kombinieren Sie Gehörschutz mit Helm, Brille und Staubmaske?
Auf der Baustelle kommt selten nur ein Teil der persönlichen Schutzausrüstung zum Einsatz. Praktisch bewährt sich eine feste Reihenfolge: zuerst die Stöpsel einsetzen, dann Brille, Maske und zuletzt den Helm. So verrutscht nichts beim Aufsetzen. Die BG BAU empfiehlt Stöpsel ausdrücklich beim gleichzeitigen Tragen von Gehörschutz und Brille oder Schutzbrille. Das Merkblatt E 609 hält fest, dass Bügelbrillen und starker Bartwuchs die Dämmung von Kapseln einschränken. Flach bauende Stöpsel haben dieses Problem nicht, weil nichts zwischen Kopf und Kapseldichtung liegt. Alles Weitere steht im Ratgeber Gehörschutz für Brillenträger und unter dem Helm.
Kapseln sind dafür beim häufigen Auf- und Absetzen im Vorteil, und die BG BAU nennt sie bei starker Ohrenschmalzbildung oder Neigung zu Gehörgangsentzündungen. Wer häufig zwischen laut und leise wechselt, kann also mit Kapseln besser fahren. Wer stundenlang durchgehenden Lärm hat oder viel schwitzt, ist mit Stöpseln oft besser bedient. Entscheidend ist, dass der Gehörschutz während der gesamten Lärmphase getragen wird.
Was ändert sich bei Hitze, Staub und Schweiß?
Im Sommer unter dem Helm wird es heiß, und Schweiß sammelt sich unter Kapseln. Die BG BAU nennt starke Schweißbildung unter Kapselgehörschützern als Grund, auf Stöpsel zu setzen. Staub und Schmutz sind das zweite Thema. Das Merkblatt E 609 weist darauf hin, dass bei Stöpseln die Gefahr von Gehörgangsentzündungen besteht und Gehörschutz regelmäßig zu reinigen ist. Schaumstoffstöpsel sollen demnach mindestens täglich getauscht werden.
Ein Stöpsel aus waschbarem, hypoallergenem Silikon wie der WorkPRO lässt sich zwischendurch mit Wasser und Seife reinigen. Fassen Sie Stöpsel nur mit sauberen Händen an, nicht mit staubigen Handschuhen. Bei Ohrenschmerzen, Ausfluss oder anhaltenden Beschwerden suchen Sie bitte eine HNO-Ärztin, einen HNO-Arzt oder Ihren Betriebsarzt auf.
Was ist mit der BG BAU, Prämien und Otoplastik?
Die BG BAU fördert über die Arbeitsschutzprämien ausgewählte Arbeitsschutzprodukte. Im Prämienkatalog ist beim Thema Lärm die Otoplastik aufgeführt, also individuell angefertigter Gehörschutz. Die Prämie beträgt dort 50 % der Anschaffungskosten, höchstens 100 Euro pro Paar. Ob Ihr Betrieb Anspruch hat, klärt die BG BAU. Zur Kostenfrage bei individuellem Gehörschutz gibt es einen eigenen Beitrag zur Otoplastik für die Arbeit und zur Kostenübernahme.
Für Betriebe, die mehrere Beschäftigte ausstatten, bietet Bollsen eine Lösung für Teams: Staffelpreise für Betriebe. Dieser Ratgeber erklärt die Auswahl, die B2B-Seite bündelt die Bestellung.
Welche Gewerke und Arbeitsplätze gibt es sonst noch?
Nicht jeder Lärmarbeitsplatz liegt auf der Baustelle. Für Werkstatt, Industrie und Produktion gelten dieselben Auslösewerte, aber andere Pegel und andere Maschinen. Wir behandeln diese Arbeitsplätze in eigenen Beiträgen, etwa zu Industrie und Produktion sowie zu Werkstatt und Handwerk. Auch in Kitas und Schulen gibt es Lärmbelastung: Dazu lesen Sie mehr in unserem Beitrag Gehörschutz für Erzieherinnen und Erzieher. Für Lehrkräfte gibt es den Ratgeber Gehörschutz für Lehrer.
Häufige Fragen zum Gehörschutz auf der Baustelle
Häufige Fragen
Die genannten Werte stammen aus der BG-BAU-Handlungshilfe (Stand März 2019) und dem BG-BAU-Merkblatt E 609 (Stand 07/2021) sowie aus der LärmVibrationsArbSchV. Prüfen Sie für Ihre Tätigkeit immer die aktuelle Gefährdungsbeurteilung. Zu den Hintergründen siehe auch das BG-BAU-Merkblatt E 609 zum Gehörschutz.
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